Startseite Allgemeines Rohmilch-Boom in den USA: Millionenumsätze trotz Krankheitsausbrüchen
Allgemeines

Rohmilch-Boom in den USA: Millionenumsätze trotz Krankheitsausbrüchen

NoName_13 (CC0), Pixabay
Teilen

Der kalifornische Unternehmer Mark McAfee hat aus Rohmilch ein Millionenbusiness gemacht. Mit seiner Firma Raw Farm erzielt er nach eigenen Angaben rund 30 Millionen Dollar Jahresumsatz und profitiert von einem wachsenden Trend, bei dem Rohmilch als natürliches und besonders gesundes Lebensmittel vermarktet wird. Dabei warnen Wissenschaftler seit Jahrzehnten vor den Risiken des unbehandelten Produkts.

Rohmilch wird nicht pasteurisiert, also nicht erhitzt, um gefährliche Keime abzutöten. Gesundheitsbehörden weisen darauf hin, dass dadurch das Risiko für Infektionen mit E. coli, Salmonellen oder Listerien deutlich steigt. Nach Einschätzung vieler Experten gibt es zudem keine wissenschaftlich belegten gesundheitlichen Vorteile gegenüber pasteurisierter Milch.

Trotzdem wächst die Nachfrage in den USA stark. Laut dem Bericht trinken inzwischen mehr als zehn Millionen Amerikaner Rohmilch, während die Verkaufszahlen zuletzt deutlich gestiegen sind. McAfee präsentiert sich dabei als Vorkämpfer einer Bewegung, die staatlichen Behörden und der Lebensmittelindustrie misstraut.

Kritiker verweisen jedoch auf eine lange Liste von Krankheitsausbrüchen, die von Behörden mit Produkten seiner Farm in Verbindung gebracht wurden. Seit 2006 sollen mehrere Hundert Menschen erkrankt und zahlreiche Personen ins Krankenhaus eingeliefert worden sein. Besonders betroffen waren immer wieder Kinder.

Ein besonders schwerer Fall ereignete sich 2006. Ein siebenjähriger Junge erkrankte nach dem Konsum von Rohmilch an einer gefährlichen E.-coli-Infektion. Seine Nieren versagten teilweise, er musste intensivmedizinisch behandelt werden und leidet bis heute an den Folgen. Die Familie verklagte später die Farm, das Verfahren endete mit einem Vergleich.

Zusätzliche Kritik löste die Praxis aus, belastete Milch teilweise zur Käseherstellung zu verwenden. McAfee erklärte gegenüber der Reporterin zunächst, dass Milch mit bestimmten Keimbelastungen in die Käseproduktion umgeleitet werde. Fachleute widersprechen jedoch der Annahme, dass Rohmilchkäse grundsätzlich vor Krankheitserregern geschützt sei. Später erklärte McAfee, diese Praxis inzwischen eingestellt zu haben.

Auch politisch hat das Thema an Bedeutung gewonnen. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. gilt als Befürworter von Rohmilch und hatte sich bereits vor seinem Amtsantritt öffentlich für deren Konsum ausgesprochen. Nach dem Regierungswechsel wurden Verfahren gegen Raw Farm offenbar nicht weiterverfolgt, was Kritiker als problematisch ansehen.

Der Fall zeigt die zunehmende Spaltung zwischen wissenschaftlichen Warnungen und einer Bewegung, die Rohmilch als Symbol für persönliche Freiheit und natürliche Ernährung betrachtet. Während Behörden vor Gesundheitsrisiken warnen, sehen viele Anhänger in staatlichen Empfehlungen eher einen Grund, das Gegenteil zu tun.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Lucic zu Dynamo? Schön, aber Stars werden in Dresden gemacht

Als Dynamo-Fan darf man sich durchaus freuen, wenn Namen wie Vladimir Lucic...

Allgemeines

WM-Kommentar: Messi macht Messi-Dinge – und Algerien schaut zu

Es gibt Fußballspiele, in denen man nach dem Schlusspfiff lange über Taktik,...

Allgemeines

WM-Kommentar: Frankreich zeigt Muskeln, Norwegen findet den Wikinger-Modus

Der erste Spieltag der Gruppe I hat geliefert, was sich Fußballfans von...

Allgemeines

TGI unter Druck: Ermittlungen, Behördenmaßnahmen und das Aus für die TV-Show der Kalteneggers

Für die TGI AG und ihre Gründer Helmut und Katarina Kaltenegger spitzt...