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Röntgenbilder aus dem Iran dokumentieren schwere Verletzungen bei Protestierenten

caruizp (CC0), Pixabay
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Mehr als 75 medizinische Aufnahmen – vor allem Röntgenbilder und CT-Scans – aus einem Krankenhaus in einer größeren iranischen Stadt zeichnen ein verstörendes Bild der Gewalt während der Proteste im Januar. Die Bilder dokumentieren zahlreiche schwere Schussverletzungen, viele davon lebensbedrohlich. Sie legen nahe, dass Sicherheitskräfte nicht nur auf Menschenmengen schossen, sondern offenbar gezielt auf besonders empfindliche Körperregionen.

Metallkugeln im Gesicht, Kugeln im Kopf

Auf den Aufnahmen einer jungen Frau sind Dutzende kleine, helle Punkte zu sehen – Metallsplitter von sogenanntem „Birdshot“, also Schrotkugeln mit einem Durchmesser von zwei bis fünf Millimetern. Sie stecken in Augenhöhlen, Stirn, Wangen und sogar im Gehirn. Die Frau hat mindestens ein Auge verloren.

Solche Schrotladungen streuen über eine größere Fläche. Aus kurzer Distanz jedoch können sie Knochen zertrümmern, Weichteile zerstören und Augäpfel durchschlagen. Fachleute betonen: Auch wenn einzelne Pellets kleiner sind als Gewehrkugeln, können sie massive Schäden anrichten – insbesondere bei Nahschüssen.

Hinweise auf gezielte Schüsse

Die Aufnahmen zeigen ein wiederkehrendes Muster: Viele Verletzte wurden im Gesicht, im Brustbereich oder im Genitalbereich getroffen. 29 der dokumentierten Patientinnen und Patienten wiesen Schrotverletzungen im Gesicht auf. Mindestens neun wurden im Becken- oder Genitalbereich getroffen – teils mit Schrot, teils mit großkalibrigen Gewehrkugeln.

Medizinische Gutachter, die die Bilder ausgewertet haben, sprechen von Verletzungen, wie man sie „eher aus Kriegsgebieten“ kenne. Einige Kugeln – mutmaßlich Vollmantelgeschosse aus Sturmgewehren – steckten noch im Körper. In mehreren Fällen zeigen die Bilder zertrümmerte Knochen, durchschlagene Lungen oder schwere Hirnverletzungen, die kaum überlebt wurden sein dürften.

Ein Experte für Notfallmedizin bezeichnete die Zahl und Schwere der Fälle als „schockierend“. Selbst große Kliniken in westlichen Ländern würden eine solche Häufung schwerster Verletzungen als Massenanfall von Verletzten einstufen.

Lebensgefährliche Verletzungen – und bleibende Schäden

Besonders dramatisch sind die zahlreichen Augenverletzungen. Ärztinnen und Ärzte berichten von vielen Operationen zur Entfernung zerstörter Augäpfel – auch bei Jugendlichen. Die dokumentierten Verletzungen im Becken- und Genitalbereich könnten laut medizinischer Einschätzung zu dauerhaften Schäden führen, darunter Inkontinenz, Unfruchtbarkeit oder Impotenz.

Die Muster der Verletzungen werfen Fragen auf. Mehrere Mediziner sprechen von einem Eindruck gezielter Schüsse auf lebenswichtige oder symbolisch bedeutsame Körperteile – insbesondere Augen und Herzregion. Das sei schwer mit wahllosem Schießen in chaotischen Situationen zu erklären.

Nur ein Teil der Opfer sichtbar

Fachleute weisen darauf hin, dass die vorliegenden Aufnahmen vermutlich nur einen Teil der Betroffenen zeigen. In einer akuten Notsituation werden in Krankenhäusern vor allem diejenigen behandelt, deren Überlebenschancen mit vertretbarem Aufwand bestehen. Menschen mit sofort tödlichen Kopf- oder Brustschüssen erreichen häufig gar kein CT-Gerät mehr.

Die dokumentierten Fälle spiegeln daher wahrscheinlich nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Gewalt wider.

Die ausgewerteten Röntgen- und CT-Bilder liefern medizinische Hinweise auf eine massive und teils gezielte Gewalteinwirkung während der Proteste im Iran. Die Häufung schwerster Verletzungen innerhalb weniger Stunden in nur einem Krankenhaus deutet auf ein Ausmaß hin, das weit über übliche Maßnahmen zur „Aufstandsbekämpfung“ hinausgeht.

Für die behandelnden Ärzte bleibt neben der medizinischen Herausforderung vor allem die psychische Belastung. „Man kann nur eine gewisse Menge ertragen“, sagte ein Mediziner rückblickend.

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