Robert F. Kennedy Jr., Gesundheitsminister unter Präsident Donald Trump, hat die US-Ernährungspolitik aufgemischt. Mit seiner Bewegung „MAHA – Make America Healthy Again“ hat er nicht nur Aufmerksamkeit für Ernährungsfragen geschaffen, sondern auch eine neue politische Wählerschicht aktiviert: gesundheitsbewusste Familien, vor allem Mütter.
Der ehemalige Chefkoch der Obamas und politische Berater Sam Kass lobt in einem Interview mit USA TODAY die Aufmerksamkeit, die Kennedy dem Thema verschafft hat – kritisiert jedoch scharf die politischen Konsequenzen und die damit verbundene Nähe zu Trump.
„Die Demokraten haben hier klar versagt“, sagt Kass. „Kennedy hat das Thema Ernährung und Gesundheit effektiv für sich besetzt – und das auf eine Weise, die viele anspricht.“
Von „Let’s Move“ zu MAHA: Wie Ernährung zum Politikum wurde
Kass leitete einst Michelle Obamas Initiative „Let’s Move“, die 2010 gestartet wurde, um Übergewicht bei Kindern zu bekämpfen – mit gesünderen Schulmahlzeiten und klarerer Kennzeichnung von Lebensmitteln. Doch konservative Kreise nannten dies schnell eine „Bevormundung durch den Staat“.
Nun erleben dieselben Prinzipien eine politische Wiedergeburt – jedoch unter republikanischer Flagge. Seit Kennedy 2025 Gesundheitsminister wurde, haben konservative Bundesstaaten wie West Virginia, Utah und Arizona Maßnahmen eingeführt wie:
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das Verbot von Zuckergetränken im Lebensmittelhilfeprogramm SNAP,
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die Entfernung von Fluorid aus dem Trinkwasser,
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ein Verbot von hochverarbeiteten Lebensmitteln in Schulkantinen.
Laut Kass sei es „surreal“, plötzlich Republikaner als Verfechter gesunder Ernährung zu sehen, nachdem sie jahrelang Michelle Obamas Programm vehement abgelehnt hatten.
MAHA als trojanisches Pferd?
Kass warnt jedoch davor, dass MAHA auch politisch brisant sei. Zwar würden Ernährungsthemen auf breiter Front unterstützt, doch die Bewegung könne als Deckmantel dienen, um andere politische Ziele zu legitimieren.
„Das ist eine Art politisches Feigenblatt – viele Menschen sehen nur die gesunde Ernährung und blenden aus, dass dahinter eine Regierung steht, die demokratische Grundwerte untergräbt“, so Kass.
Neue Ernährungsempfehlungen: Fleisch und Fett im Fokus
Im Januar 2026 präsentierte Kennedy zusammen mit Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins neue offizielle US-Ernährungsrichtlinien. Im Mittelpunkt:
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Mehr tierisches Eiweiß,
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Vollfette Milchprodukte,
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Weniger verarbeitete Lebensmittel.
Kennedy erklärte: „Wir beenden den Krieg gegen gesättigte Fette.“ Experten wie Kass kritisieren das als ernährungsphysiologisch fragwürdig:
„Die USA haben kein Protein-Problem. Wir konsumieren ohnehin zu viel davon“, sagt Kass.
Er verweist auf gesundheitliche Risiken durch proteinreiche Ernährung mit viel rotem Fleisch – etwa Nierensteine, Herzkrankheiten und Darmkrebs.
Hinzu kommt: Mindestens sieben der neun Autoren der neuen Richtlinien haben Verbindungen zur Fleisch- und Milchindustrie, wie Recherchen zeigen.
Gespaltene Ansichten: Impfungen und Personalabbau
Ein besonders umstrittenes Kapitel betrifft Kennedys Umgang mit dem öffentlichen Gesundheitswesen:
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Er entließ alle 17 Mitglieder des CDC-Impfbeirats,
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kürzte das Impfprogramm für Kinder (von 17 auf 11 Krankheiten),
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strich 20.000 Stellen im Gesundheitsministerium.
Kass nennt das „eine der größten Gefahren für die öffentliche Gesundheit“, da nun Ideologen statt Fachleute über Impfungen entscheiden.
„Selbst wenn Kennedy alles umsetzt, wofür ich mich in meiner Karriere eingesetzt habe – es wäre ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts des Schadens, den er sonst anrichtet“, so Kass.
Bipartisanship in Sicht? Hoffnung auf langfristigen Wandel
Trotz aller Kritik sieht Kass eine Chance für dauerhafte Veränderung in der amerikanischen Ernährungspolitik – wenn parteiübergreifende Kooperation gelingt.
Auch Aktivist*innen wie Vani Hari, die sich früher gegen Obamas Haltung zu Gentechnik positionierten, zeigen sich überrascht vom politischen Umschwung. Sie nennt es einen „Kulturwandel“, den sie vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte.
Fazit:
Die MAHA-Bewegung bringt das Thema gesunde Ernährung zurück ins Zentrum der politischen Debatte – allerdings mit einer ungewöhnlichen Allianz zwischen Konservativen und Gesundheitsaktivisten. Doch unter der Oberfläche brodelt es: Der Preis für Fortschritt bei der Ernährung könnte ein Rückschritt im Bereich öffentlicher Gesundheit sein.
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