Der einstige Immobilien- und Handelsmilliardär Rene Benko bleibt vorerst weiter in Untersuchungshaft. Das Landesgericht für Strafsachen Wien hat die U-Haft am Montagvormittag um weitere zwei Monate verlängert. Nach Ansicht des Gerichts bestehen weiterhin sowohl dringender Tatverdacht als auch Tatbegehungsgefahr.
Die Entscheidung fiel im Rahmen einer Videokonferenz, zu der Benko aus der Justizanstalt Innsbruck zugeschaltet wurde. Die Haftverlängerung gilt nun bis zum 12. Januar 2026. Gegen die Entscheidung kann Benko Beschwerde einlegen – ob er davon Gebrauch machen wird, ist bislang offen.
🔍 Gericht sieht weiter dringenden Tatverdacht
Nach Angaben des Wiener Landesgerichts haben sich die Ermittlungsergebnisse seit der letzten Haftprüfung nicht entscheidend verändert. Es bestehe weiterhin der Verdacht, dass Benko in mehreren Fällen betrügerische Krida, also vorsätzliche Schädigung von Gläubigern, begangen haben soll.
Auch der Haftgrund der Tatbegehungsgefahr liege weiter vor – das heißt: Es bestehe die Befürchtung, Benko könne außerhalb der Haft erneut straffällig werden oder Einfluss auf laufende Ermittlungen nehmen.
Ein Gerichtssprecher betonte, dass die Haftverlängerung „keine Vorverurteilung“ darstelle, sondern der Sicherung des laufenden Verfahrens diene.
⚖️ Nächster Prozess startet im Dezember
Bereits für den 10. Dezember ist der nächste Prozess gegen Rene Benko am Landesgericht Innsbruck angesetzt. Dort muss sich der Unternehmer gemeinsam mit einer Mitangeklagten erneut wegen betrügerischer Krida verantworten.
Ein zweiter Prozesstag ist für den 16. Dezember vorgesehen.
Im Mittelpunkt stehen dabei mutmaßlich unzulässige Geldverschiebungen und undurchsichtige Finanztransaktionen innerhalb des Benko-Firmennetzwerks, die Gläubiger geschädigt haben sollen.
🏢 Rückblick: Verurteilung im Oktober
Bereits im Oktober 2025 war Benko in einem ersten Verfahren wegen betrügerischer Krida zu 24 Monaten Haft verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem in weiteren Komplexen rund um das weit verzweigte Firmenimperium des Investors, zu dem auch die insolvente Signa-Gruppe gehörte.
Nach dem spektakulären Zusammenbruch des Signa-Konzerns Ende 2023 hatte sich ein Netz aus Millionenverlusten, offenen Krediten und ungeklärten Vermögensströmen offenbart.
💬 Verteidigung prüft Beschwerde
Benko selbst bestreitet die Vorwürfe weiterhin. Sein Anwalt kündigte an, die Verlängerung der Untersuchungshaft juristisch prüfen zu wollen.
„Mein Mandant kooperiert mit den Behörden und weist die Anschuldigungen zurück. Die Verlängerung ist aus unserer Sicht nicht verhältnismäßig“, so die Verteidigung.
🔚 Ausblick
Während sich Benko in Haft auf die nächste Hauptverhandlung vorbereitet, wächst der Druck auf die Ermittler – und das öffentliche Interesse bleibt hoch.
Der Fall des einstigen Immobilien-Milliardärs, der mit der Signa-Gruppe ein europaweites Imperium aufgebaut hatte, steht sinnbildlich für den Fall eines Selfmade-Unternehmers, der vom gefeierten Visionär zum Symbol wirtschaftlicher Hybris wurde.
Ob Benko tatsächlich kriminelle Energie oder nur riskante Geschäftstaktik an den Tag legte, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – vor Gericht, nicht in der Öffentlichkeit.
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