Die Trainerrochade in der Bundesliga bleibt ein Spektakel der Extraklasse. Jetzt also: Ole Werner zu RB Leipzig. Der Mann mit der Baseballkappe wechselt von der Küste an die Elbe — oder genauer gesagt: von „Fischbrötchen und hanseatischer Gelassenheit“ zur Brause-Dynastie mit Dauerdruck.
RB nennt es einen „Aufbruch“. Beobachter nennen es: den nächsten Versuch, sich für die Champions League warmzulaufen, ohne dabei aus der Kurve zu fliegen. Denn was macht man, wenn man die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte gespielt hat? Genau: Man holt einen Trainer, der bei Werder Bremen immerhin mit sehr wenig Geld und viel norddeutscher Ruhe das Minimalziel „irgendwo in der Tabelle“ erreicht hat.
Doch billig war der Spaß nicht. Werder hatte den Taschenrechner gezückt und sechs Millionen Euro Ablöse aufgerufen. Leipzig antwortete mit einem Klassiker des modernen Transferpokers: beleidigt tun, kurz aussteigen, dann doch zahlen – aber bitte in Raten.
Nun also Werner. 1,89 Meter groß, äußerlich hanseatisches Understatement, innerlich taktisches Schachbrett. Ein Trainer, der nicht so viel rumschreit, sondern lieber strukturiert. Für den hyperaktiven RB-Apparat fast schon revolutionär: einer, der lieber plant, statt permanent hyperventiliert.
Sein Auftrag? Das RB-Flaggschiff wieder flott machen. Und wenn’s mal nicht läuft, kann er immer noch die Segellehrer-Karriere starten, die er laut eigener Aussage sowieso irgendwann mal ins Auge gefasst hat. Wobei: Bei dem Wellengang im Leipziger Führungsbecken dürfte er die Grundtechniken des Navigierens bald ohnehin perfekt beherrschen.
Und die Spieler? Die sind „jung, hungrig, entwicklungsfähig“ — was immer das im Millionenbusiness genau heißen mag. Also wie gemacht für einen Trainer, der für „klare Abläufe“ steht. Vielleicht weht künftig auf dem Rasen sogar mal wieder ein Hauch von Spielfreude. Wobei: Bei RB gilt ohnehin nur eins als echter Erfolg — die sichere Qualifikation fürs ganz große Geld in der Champions League.
Am 14. Juli beginnt der neue Aufbruch. Und spätestens ab dem ersten Spieltag wird man sehen, ob Werner in Leipzig weiterhin so cool bleibt — oder ob ihn der Brausedruck irgendwann doch vom Surfbrett wirft.
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