Hunderte Festnahmen auf einem US-Werksgelände, und plötzlich telefoniert die Diplomatie: Seoul „besorgt und bedauernd“, Washington schweigsam, die PR-Abteilungen im Full-Body-Workout. Weißes Kreuz? Nein – weißgewaschene Hände.
Die Zahlen passen ins Schlagwortformat: FBI und ICE durchsuchen ein Batteriewerk in Georgia, etwa 475 Ausländer festgenommen – angeblich ohne Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis. Die US-Staatsanwaltschaft sagt, man wolle illegale Beschäftigung und Ausbeutung verhindern. Klingt edel, liest sich aber wie der Klappentext jeder Razzia seit 20 Jahren.
Hyundai beeilt sich zu versichern: „Nach aktuellem Stand ist keiner der Festgenommenen direkt bei der Hyundai Motor Company angestellt.“ Ach so! Dann ist ja alles gut. Willkommen im Outsourcing der Verantwortung: Die Werkstore tragen das Logo, die Lohnzettel das von Subunternehmen. Auf der Website heißt es „Joint Venture“, in der Krise heißt es „nicht direkt“. Compliance as a Service.
Seoul erinnert die USA daran, dass Investorenrechte und Bürgerrechte nicht „unfair“ verletzt werden sollten. Übersetzung: „Wir investieren bei euch, also lasst unser Personal nicht als Kollateralschaden eurer innenpolitischen Symbolpolitik enden.“ In der Lieferkette gilt eben: Wer produziert, zählt – wer haftet, sucht.
Das Spiel ist bekannt:
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Konzerne: Wachstum predigen, Subkontrakte verklastern, und im Notfall den Vertragsbaum zeigen: „Da oben irgendwo könnte jemand zuständig sein, aber sicher nicht wir.“
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Behörden: Heldenerzählung vom Schutz vor Ausbeutung, während jahrelang derselbe Graubereich geduldet wurde – bis die Kameras da sind.
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Diplomatie: Bedauern ausdrücken, Besorgnis anmelden, und hoffen, dass die Lieferkette nicht plötzlich zur Haftungskette wird.
Fazit: In Georgia hat man Arbeitskräfte gefunden, aber Zuständigkeiten verloren. Wer Batterien für die schöne neue E-Welt baut, lädt offenbar Compliance nur dann auf, wenn genug Restreichweite da ist. Der Rest wird wie immer „nicht direkt“ erledigt.
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