Mehr als 30 Jahre nach den Taten erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage gegen die mutmaßliche frühere RAF-Terroristin Daniela Klette. Der 67-Jährigen wird unter anderem 20-facher versuchter Mord im Zusammenhang mit einem Anschlag auf die US-Botschaft in Bonn im Jahr 1991 vorgeworfen.
Klette war im Februar 2024 nach jahrzehntelangem Leben im Untergrund in Berlin festgenommen worden. Parallel steht sie bereits wegen mutmaßlicher Raubüberfälle vor Gericht. Nun rückt ihre mögliche Rolle im Terrornetzwerk der RAF erneut in den Fokus.
Wer war die RAF?
Die Rote Armee Fraktion (RAF) war eine linksextremistische Terrororganisation in Deutschland, die in den 1970er-, 80er- und 90er-Jahren aktiv war. Sie verstand sich selbst als „Stadtguerilla“ im Kampf gegen den Staat, den sie als imperialistisch und unterdrückend ansah.
In der Realität bedeutete das: Banküberfälle, Entführungen und zahlreiche tödliche Anschläge.
Zu den bekanntesten Taten gehören:
- die Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback (1977)
- die Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer (1977)
- zahlreiche Bombenanschläge auf staatliche Einrichtungen, US-Einrichtungen und Wirtschaftsvertreter
Die RAF agierte in mehreren Generationen. Während die erste Generation um Baader, Meinhof und Ensslin bekannt wurde, setzte die sogenannte dritte Generation, zu der auch Klette gezählt wird, die Gewalt in den 80er- und 90er-Jahren fort – deutlich konspirativer, aber weiterhin tödlich.
Der konkrete Vorwurf
Im aktuellen Fall geht es um den Angriff auf die US-Botschaft in Bonn 1991. Laut Ermittlern sollen dabei zahlreiche Menschen bewusst in Gefahr gebracht worden sein – daher der Vorwurf des mehrfachen versuchten Mordes.
Der Fall zeigt, wie lange die Schatten der RAF reichen. Viele Taten dieser Zeit sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt.
Vom Untergrund in den Alltag
Besonders bemerkenswert: Daniela Klette lebte über Jahrzehnte unerkannt in Deutschland. Erst 2024 wurde sie gefasst – ein Umstand, der auch Fragen an die Sicherheitsbehörden aufwirft.
Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass ehemalige RAF-Mitglieder ihren Lebensunterhalt später durch Raubüberfälle finanziert haben könnten – fernab jeder politischen Ideologie, eher aus praktischen Gründen.
Fazit
Der Fall Klette ist mehr als ein Strafverfahren. Er ist ein spätes Kapitel deutscher Terrorgeschichte – und zeigt, dass selbst Jahrzehnte später noch juristische Aufarbeitung möglich ist.
Oder anders gesagt:
Die RAF ist Geschichte – ihre Taten sind es nicht.
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