Interview mit Rechtsanwältin Kerstin Bontschev
Ab dem 1. April 2026 gilt in der gesamten Schweiz ein Verbot für das Zünden von Pyrotechnik in öffentlich zugänglichen Räumen. Die Maßnahme wurde von den Baudirektorinnen und Baudirektoren aller 26 Kantone beschlossen. Hintergrund ist eine schwere Brandkatastrophe in der Silvesternacht in Crans-Montana, bei der ein Feuer offenbar durch brennende Wunderkerzen ausgelöst wurde.
Wir haben mit Rechtsanwältin Kerstin Bontschev darüber gesprochen, ob ein ähnliches Verbot auch in Deutschland denkbar oder sinnvoll wäre.
„Sicherheit steht im Mittelpunkt“
Frage: Frau Bontschev, die Schweiz führt nun ein landesweites Pyroverbot in öffentlichen Räumen ein. Wie bewerten Sie diesen Schritt rechtlich?
Kerstin Bontschev:
Aus rechtlicher Sicht handelt es sich um eine klassische Gefahrenabwehrmaßnahme. Wenn nach einer schweren Brandkatastrophe konkrete Sicherheitsrisiken erkannt werden, können Behörden entsprechende Verbote erlassen. Ziel ist es, die öffentliche Sicherheit und den Brandschutz zu erhöhen.
„In Deutschland gibt es bereits Einschränkungen“
Frage: Gibt es vergleichbare Regelungen bereits in Deutschland?
Bontschev:
Teilweise ja. In Deutschland ist der Umgang mit Feuerwerk im Sprengstoffgesetz und der Sprengstoffverordnung geregelt. Viele Städte verbieten Pyrotechnik bereits in bestimmten Bereichen, etwa in Innenstädten, an historischen Gebäuden oder auf großen Veranstaltungen. Ein bundesweites Verbot im öffentlichen Raum gibt es allerdings bislang nicht.
„Ein bundesweites Verbot wäre rechtlich möglich“
Frage: Wäre ein solches Verbot auch in Deutschland denkbar?
Bontschev:
Grundsätzlich ja. Der Gesetzgeber könnte strengere Regeln einführen, wenn dies aus Gründen des Brandschutzes, der öffentlichen Sicherheit oder des Gesundheitsschutzes erforderlich erscheint. Allerdings müsste ein solcher Schritt gut begründet sein, weil er auch in Freiheitsrechte und traditionelle Nutzungen, etwa an Silvester, eingreift.
„Politische und gesellschaftliche Diskussion nötig“
Frage: Halten Sie ein solches Verbot für sinnvoll?
Bontschev:
Das ist letztlich eine politische Entscheidung. Nach schweren Unfällen wächst oft der Druck, strengere Regeln einzuführen. Gleichzeitig müsste geprüft werden, ob gezielte Verbote in Hochrisikobereichen nicht bereits ausreichen.
„Mehr Sicherheit durch klare Regeln“
Frage: Was könnte Deutschland aus der Schweizer Entscheidung lernen?
Bontschev:
Die Schweiz zeigt, dass man nach einem tragischen Ereignis schnell reagieren kann. Wichtig ist jedoch, dass neue Regeln klar formuliert, praktikabel und gut kontrollierbar sind. Nur dann können sie tatsächlich zu mehr Sicherheit beitragen.
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