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Putin bleibt zu Hause – Istanbul muss ohne Wladimir auskommen

Shrooomy (CC0), Pixabay
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Großes Aufatmen in Istanbul: Der russische Präsident Wladimir Putin wird nicht persönlich zu den Gesprächen mit der Ukraine erscheinen. Stattdessen schickt er eine Delegation, angeführt von seinem persönlichen Berater Wladimir Medinski – dem Mann, der schon 2022 die Verhandlungen in der Türkei „erfolgreich“ zum Scheitern brachte. Offenbar will Putin dem Verhandlungsort also eine gewisse nostalgische Note verleihen.

Übrigens, auch Donald Trump hat kurzfristig abgesagt. Er meinte wohl, seine Anwesenheit wäre nur sinnvoll gewesen, wenn Putin und Selenskyj vor Ort wären – oder zumindest die Möglichkeit bestünde, einen gigantischen Deal zu verkünden.

Putin schickt den Kulturminister – denn wer könnte besser verhandeln?

Wer hätte gedacht, dass Wladimir Medinski, ehemaliger Kulturminister und Putin-Vertrauter, nun die Weltpolitik retten soll? Wahrscheinlich dachte sich der Kreml: „Wenn schon nichts dabei herauskommt, dann wenigstens mit Stil.“ Immerhin gilt Medinski als politisches Leichtgewicht – was wahrscheinlich Putins Strategie erklärt: Er möchte die Verhandlungen möglichst unbeschwert angehen.

Mit dabei sind auch Vizeaußenminister Michail Galusin, General Igor Kostjukow und der stellvertretende Verteidigungsminister Alexander Fomin. Man fragt sich, ob die drei überhaupt wissen, was sie in der Türkei machen sollen, oder ob sie einfach nur dafür zuständig sind, ernst zu gucken und Medinski ab und zu ein Taschentuch zu reichen.

Selenskyj sucht Putin – findet aber nur Ankara

Während die Russen sich auf die Verhandlungen in Istanbul vorbereiten, ist Selenskyj bereits unterwegs – allerdings nach Ankara. Ob ihm jemand gesagt hat, dass die Gespräche in Istanbul stattfinden? Oder dachte er, Erdogan hätte eine Art „Präsidenten-Sammelstelle“ eingerichtet?

Erdogan hat jedenfalls keine Probleme mit Flexibilität: Er ist bereit, mit Selenskyj in Ankara zu plaudern und anschließend nach Istanbul zu düsen. Was macht man nicht alles für den Weltfrieden.

Putin: „Verhandeln? Ja, aber bitte ohne mich!“

Putin hatte ursprünglich die Verhandlungen in Istanbul vorgeschlagen – eine charmante Geste, die zeigte, dass er bereit ist, Frieden zu schließen. Aber eben nur, wenn er selbst nicht dabei sein muss. Schließlich hat er seinen guten Anzug noch in der Reinigung, und außerdem hat er sicher Wichtigeres zu tun – wie z.B. Tee trinken im Kreml.

Dabei war Selenskyj fest entschlossen, auf Putin persönlich zu treffen. „Es ist sein Krieg. Darum müssen auch die Verhandlungen mit ihm erfolgen,“ sagte er. Das Problem: Putin ist offenbar der Meinung, dass Verhandlungen am besten laufen, wenn man selbst gar nicht da ist. So kann man am Ende behaupten, man hätte alles versucht.

USA: Verhandeln um jeden Preis – außer persönlich

Die USA sind natürlich auch irgendwie mit von der Partie. Präsident Trump, bekannt für seine Friedensinitiativen vom Golfplatz aus, hat vorgeschlagen, dass die Ukraine unbedingt verhandeln sollte. Am besten schnell, am besten direkt – aber ohne ihn. Sein Sonderbeauftragter Steve Witkoff und Außenminister Marco Rubio sollen das Ganze schon irgendwie regeln.

Trump hatte sich sogar bereiterklärt, nach Istanbul zu kommen – vorausgesetzt, Putin und Selenskyj würden dort gemeinsam Kaffee trinken. Da das nicht passiert, bleibt Trump lieber im Nahen Osten und sinniert über seine geopolitische Brillanz.

Selenskyj: „Ich warte hier!“ – Putin: „Ich bleibe da!“

Während Selenskyj hartnäckig auf Putin wartet, fragt sich Moskau, warum der ukrainische Präsident auf ein Treffen besteht, das offensichtlich nie stattfinden wird. Russische Politiker werfen Selenskyj vor, aus den Friedensgesprächen ein „Spektakel“ zu machen – ausgerechnet diejenigen, die sonst keine Gelegenheit auslassen, um möglichst medienwirksam Panzerparaden abzuhalten.

Die Ukraine wiederum meint, Putin hätte Angst vor direkten Gesprächen – was irgendwie logisch klingt, wenn man bedenkt, dass Putin lieber seine Kulturminister als sich selbst ins Rampenlicht stellt.

Große Pläne, keine Ergebnisse – alles wie immer

Beobachter erwarten nicht viel von den Gesprächen – eher ein kleines Theaterstück mit wechselnden Protagonisten, aber garantiert ohne Happy End. Immerhin könnte es wieder eine dieser berühmten Verhandlungsrunden werden, die mit bedeutungsschweren Gesichtern und großen Versprechen enden – nur um später festzustellen, dass keiner weiß, worüber man eigentlich gesprochen hat.

In der Zwischenzeit warten alle gespannt auf die nächsten Twitter-Updates: Ob Putin spontan doch auftaucht? Ob Selenskyj sich nach Istanbul verirrt? Oder ob Trump plötzlich doch den Jet chartert und als Friedensengel auftaucht?

Die Welt hält den Atem an – aber nur kurz, denn schließlich hat sie sich an die Putin-Selenskyj-Trump-Soap längst gewöhnt.

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