Startseite Allgemeines „Psychologische Folter“: Mieter in Spanien wehren sich gegen Immobilien-Schikanen
Allgemeines

„Psychologische Folter“: Mieter in Spanien wehren sich gegen Immobilien-Schikanen

Julius_Silver (CC0), Pixabay
Teilen

In einem Wohnhaus im Madrider Viertel Lavapiés kämpfen Mieter gegen das, was in Spanien zunehmend als acoso inmobiliario – Immobilien-Schikane – bezeichnet wird. Seit das Gebäude, in dem Jaime Oteyza seit 2012 lebt, vor zwei Jahren an einen Investmentfonds verkauft wurde, sehen sich die Bewohner massivem Druck ausgesetzt.

Nach Angaben der Mieter wurden auslaufende Verträge nicht verlängert, während gleichzeitig umfangreiche Bauarbeiten begannen. Stromausfälle, Wasserschäden, ohrenbetäubender Lärm und gefährliche Baustellen im Haus hätten das Leben zur „psychologischen Folter“ gemacht, sagt Oteyza. Ziel sei es, langjährige Mieter zum Auszug zu bewegen, um lukrativere Kurzzeit- oder Luxusvermietungen zu ermöglichen.

Zwölf Bewohner reichten Klage ein. Ein Madrider Gericht leitete daraufhin eine Voruntersuchung ein – laut Mieterorganisationen ein landesweit beachteter Präzedenzfall gegen Immobilien-Schikanen. Die Kläger argumentieren, die Bauarbeiten dienten nicht der Sanierung, sondern der Einschüchterung, um kostspielige Einzelräumungen zu umgehen.

Die Eigentümer weisen die Vorwürfe zurück. Die Arbeiten dienten der Verbesserung der Sicherheit und Barrierefreiheit; man verfüge über alle nötigen Genehmigungen und habe mit mehr als 30 Mietern einvernehmliche Lösungen gefunden, teils inklusive Umzugsangeboten.

Der Fall steht exemplarisch für die angespannte Lage auf Spaniens Wohnungsmarkt, wo sich die Durchschnittsmieten in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt haben. Auch in Barcelona wurde kürzlich ein ähnliches Verfahren zugelassen. Für viele Betroffene ist der Rechtsweg die letzte Möglichkeit, sich gegen Verdrängung zu wehren. „Wir kennen unsere Rechte und werden sie einfordern“, sagt eine Bewohnerin.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Kommentar: Huckabee, Israel und der Gebietsanspruch der amerikanischen Ureinwohner

Es ist fast schon symptomatisch: Während ein ehemaliger US‑Botschafter ohne Scham angebliche...

Allgemeines

Griechenland erhält aufgetauchte Fotos von NS-Erschießungen in Kaisariani zurück

Mehr als 80 Jahre nach den Massenerschießungen von 200 Kommunisten am 1....

Allgemeines

Tödliche Explosionen in Lwiw – Behörden ermitteln wegen Terrorverdachts

Tödliche Explosionen in Lwiw – Behörden ermitteln wegen Terrorverdachts In der westukrainischen...

Allgemeines

Gisèle Pelicot – vom Opfer zur Stimme der Hoffnung

Die 73-jährige Gisèle Pelicot veröffentlicht mit A Hymn to Life: Shame Has...