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Proteste und Gewalt in Chile – Jahrestag des Militärputsches spaltet das Land

jorono (CC0), Pixabay
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In der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile ist es in der Nacht zu Freitag bei Demonstrationen anlässlich des Jahrestags des Militärputsches von 1973 zu teils heftigen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Wie der Radiosender Bio Bio berichtet, errichteten Demonstrierende in mehreren Stadtteilen Barrikaden, lieferten sich Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften und griffen Busse des öffentlichen Nahverkehrs an, von denen mindestens zwei in Flammen aufgingen. Zudem kam es nach Medienberichten zu einem Schusswechsel mit der Polizei.

Jahrestag mit Symbolkraft

Der 11. September 1973 gilt in Chile als einschneidendes historisches Datum: An diesem Tag stürzte General Augusto Pinochet die demokratisch gewählte Regierung von Präsident Salvador Allende. Der Putsch markierte den Beginn einer 17-jährigen Militärdiktatur, in der Tausende Oppositionelle verfolgt, inhaftiert, verschleppt oder getötet wurden. Für viele Chileninnen und Chilenen ist dieser Tag daher Anlass zum Gedenken – aber auch ein Symbol für ungelöste gesellschaftliche Konflikte.

Zwei Gesichter des Protests

Während es in Santiago zu Gewalt kam, verliefen die Demonstrationen in vielen anderen Teilen des Landes friedlich. Dort versammelten sich Menschen zu Mahnwachen und Gedenkveranstaltungen, um den Opfern der Militärdiktatur Respekt zu erweisen. Bürgerrechtsgruppen, Angehörige von Verschwundenen und junge Aktivisten erinnerten an die Opfer und forderten weiterhin volle Aufklärung der Verbrechen aus der Zeit zwischen 1973 und 1990.

In der Hauptstadt jedoch eskalierte die Lage. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, um Protestierende auseinanderzutreiben. Besonders in den Randbezirken bildeten sich Brennpunkte, in denen Gewalt und Zerstörung den Ton angaben.

Ein Land zwischen Erinnerung und Spaltung

Die Ereignisse zeigen, wie tief die Vergangenheit das Land noch immer prägt. Während große Teile der Gesellschaft eine kritische Aufarbeitung der Diktatur fordern, gibt es nach wie vor Gruppen, die Pinochet als „Retter vor dem Kommunismus“ verklären. Diese gegensätzlichen Sichtweisen spiegeln sich regelmäßig in den Protesten rund um den Jahrestag wider.

Politische Bedeutung heute

Die Regierung von Präsident Gabriel Boric hatte im Vorfeld des Jahrestages zu friedlichem Gedenken aufgerufen. Boric selbst, einer der jüngeren Präsidenten Chiles, gilt als Vertreter einer Generation, die die Diktatur zwar nicht selbst erlebt hat, deren Folgen aber im politischen und gesellschaftlichen Alltag noch immer spürbar sind. Der Jahrestag ist deshalb nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit, sondern auch eine Bewährungsprobe für Chiles Demokratie heute.

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