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Polen: Präsidentschaftskandidaten mobilisieren Zehntausende vor Stichwahl

Kaufdex (CC0), Pixabay
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Eine Woche vor der entscheidenden Stichwahl um das polnische Präsidentenamt haben die beiden verbliebenen Kandidaten heute in Warschau jeweils zehntausende Unterstützer zu Großkundgebungen versammelt.

Der proeuropäische Kandidat Rafal Trzaskowski rief zu einem „Großen Marsch der Patrioten“ auf, der zum Platz der Verfassung im Herzen der Hauptstadt führte. Gleichzeitig versammelte sich das Lager seines rechtsnationalistischen Konkurrenten Karol Nawrocki zum „Marsch für Polen“ auf dem historischen Schlossplatz in der Altstadt.

Enges Rennen nach der ersten Wahlrunde

Trzaskowski, Bürgermeister von Warschau und Mitglied der liberal-konservativen Bürgerplattform von Ministerpräsident Donald Tusk, hatte in der ersten Wahlrunde am 18. Mai mit rund 31 Prozent der Stimmen knapp die Nase vorn. Nawrocki erreichte mit knapp 30 Prozent den zweiten Platz und qualifizierte sich damit für die Stichwahl.

Die Wahl gilt als Richtungsentscheidung für den EU- und NATO-Staat: Ein Wahlsieg Trzaskowskis könnte den von der Regierung geplanten Reformkurs stärken. Sein Gegner Nawrocki hingegen wird von der nationalkonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) unterstützt, die bis 2023 die Regierung stellte.

Sollte Nawrocki gewinnen, erwarten Beobachter eine Fortsetzung des konfrontativen Kurses seines politischen Ziehvaters, des scheidenden Präsidenten Andrzej Duda – möglicherweise mit Neuwahlen zum Parlament als Folge.

Kulturelle Bruchlinien sichtbar auf den Straßen

Bei Nawrockis Kundgebung dominierten patriotische und religiöse Gesänge, viele Teilnehmer trugen Plakate mit der Forderung nach einem Stopp der Einwanderung. Auf der Gegenseite präsentierten Trzaskowskis Unterstützer EU-Fahnen und Regenbogenflaggen – ein symbolträchtiger Ausdruck der gesellschaftlichen Spaltung.

Stichwahl wird zur Zitterpartie

Laut aktuellen Umfragen liegen beide Kandidaten exakt gleichauf bei 46,3 Prozent. Die Entscheidung dürfte davon abhängen, wie viele Stimmen sie von den ausgeschiedenen Kandidaten mobilisieren können.

Besonders bedeutsam ist das Ergebnis des rechtsradikalen Lagers in der ersten Runde: Der rechtsextreme Slawomir Mentzen und der als antisemitisch geltende EU-Abgeordnete Grzegorz Braun kamen zusammen auf über 20 Prozent der Stimmen. Damit hatte eine Mehrheit der Wählenden in der ersten Runde für rechte bis rechtsextreme Kandidaten gestimmt – ein Signal, das der Stichwahl eine brisante Dynamik verleiht.

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