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Pionier der Autismusforschung: Hans Asperger vor 120 Jahren geboren

RobVanDerMeijden (CC0), Pixabay
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Vor 120 Jahren wurde Hans Asperger geboren – ein Mediziner, dessen Name bis heute eng mit der Autismusforschung verbunden ist. Mit seinen Beobachtungen und Beschreibungen trug er wesentlich dazu bei, bestimmte Formen von Autismus erstmals systematisch zu erfassen und wissenschaftlich einzuordnen.

Asperger wurde 1906 in Österreich geboren und arbeitete als Kinderarzt in Wien. In den 1940er-Jahren veröffentlichte er eine Arbeit, in der er eine Gruppe von Kindern beschrieb, die durch besondere soziale und kommunikative Eigenheiten auffielen, zugleich jedoch oft überdurchschnittliche Fähigkeiten in bestimmten Bereichen zeigten.

Frühe Beschreibung eines besonderen Verhaltensprofils

Asperger sprach damals von „autistischen Psychopathen“ – ein Begriff, der aus heutiger Sicht überholt und problematisch ist. Gemeint waren Kinder, die Schwierigkeiten im sozialen Umgang hatten, stark auf Spezialinteressen fixiert waren und eine ungewöhnliche Sprach- oder Denkweise zeigten.

Seine Arbeit geriet zunächst international in Vergessenheit, da sie in deutscher Sprache erschien und in den Wirren des Zweiten Weltkriegs kaum rezipiert wurde. Erst Jahrzehnte später wurde sie wiederentdeckt.

Das Asperger-Syndrom

In den 1980er- und 1990er-Jahren fand Aspergers Beschreibung internationale Anerkennung. Das sogenannte Asperger-Syndrom wurde als eigenständige Diagnose in Klassifikationssysteme aufgenommen. Es bezeichnete eine Form des Autismus ohne deutliche Sprach- oder Intelligenzbeeinträchtigung.

Viele Betroffene identifizierten sich mit dieser Diagnose, die oft als weniger stigmatisierend wahrgenommen wurde als andere Begriffe innerhalb des Autismus-Spektrums.

Wandel im Verständnis

Inzwischen hat sich die wissenschaftliche Sichtweise weiterentwickelt. Heute spricht man meist vom „Autismus-Spektrum“. Seit 2013 wird das Asperger-Syndrom in internationalen Diagnosesystemen nicht mehr als eigenständige Kategorie geführt, sondern als Teil einer übergeordneten Autismus-Spektrum-Störung.

Die Forschung betont zunehmend die Vielfalt innerhalb des Spektrums – von stark unterstützungsbedürftigen Menschen bis hin zu hochfunktionalen Autisten mit besonderen Begabungen.

Kritische Auseinandersetzung mit der Biografie

In den vergangenen Jahren wurde auch Aspergers Rolle während der NS-Zeit kritisch untersucht. Historische Forschungen werfen Fragen zu seiner Mitwirkung im damaligen medizinischen System auf. Diese Debatten haben dazu geführt, dass der Name Asperger in der Öffentlichkeit differenzierter betrachtet wird.

Während seine wissenschaftlichen Beobachtungen als wegweisend gelten, wird seine historische Einordnung kontrovers diskutiert.

Vermächtnis für die Autismusforschung

Unabhängig von der biografischen Debatte bleibt Hans Aspergers Beitrag zur Beschreibung autistischer Verhaltensmuster bedeutsam. Seine frühen Beobachtungen halfen, ein differenzierteres Verständnis für neurologische Besonderheiten zu entwickeln.

Heute steht nicht mehr die Defizitperspektive im Vordergrund, sondern ein breiteres Konzept von Neurodiversität – also der Anerkennung unterschiedlicher neurologischer Ausprägungen als Teil menschlicher Vielfalt.

120 Jahre nach seiner Geburt zeigt sich: Die Autismusforschung hat sich stark gewandelt. Doch die Grundlagen, die Asperger einst legte, wirken in der modernen Debatte um Diagnostik, Förderung und gesellschaftliche Teilhabe bis heute nach.

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