Rechtsanwalt Niklas Linnemann über aktuelle FMA-Warnungen und die Risiken für deutsche Anleger
Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) warnt aktuell vor mehreren dubiosen Anbietern, darunter Capvest Consulting, Tag Markets, The World Sovereign Bank of the Order of Hospitallers (WSBOH) sowie WhatsApp-Angebote unter dem Namen „Dorean“. Wir haben mit Rechtsanwalt Niklas Linnemann über die Hintergründe gesprochen.
Herr Linnemann, was genau ist die FMA – und warum sind deren Warnungen auch für deutsche Anleger relevant?
Niklas Linnemann:
Die FMA ist die österreichische Finanzmarktaufsicht. Sie übernimmt in Österreich die Rolle, die in Deutschland die BaFin innehat. Die Behörde überwacht Banken, Versicherungen und Wertpapierfirmen und veröffentlicht Warnmeldungen, wenn Unternehmen ohne Zulassung Finanzdienstleistungen anbieten.
Für deutsche Anleger sind diese Warnungen deshalb relevant, weil Betrüger im Internet keine Landesgrenzen kennen. Die gleichen Plattformen, die in Österreich aktiv sind, werben häufig auch gezielt deutsche Investoren an.
Wovor warnt die FMA konkret?
Linnemann:
In den aktuellen Fällen geht es um Anbieter, die ohne behördliche Genehmigung:
- Anlageberatung anbieten,
- Wertpapieraufträge ausführen oder
- sogar Bankgeschäfte wie die Entgegennahme von Einlagen betreiben.
Teilweise geben die Betreiber Sitze in London, Mauritius oder Bratislava an. In Wahrheit sind solche Angaben oft nicht überprüfbar oder schlicht frei erfunden.
Warum sind solche Konstruktionen so gefährlich?
Linnemann:
Weil sie Professionalität vorgaukeln. Die Webseiten sind oft hochwertig gestaltet, es gibt angebliche Handelsplattformen mit Live-Kursen, Ansprechpartner mit englischen oder deutschen Namen und teilweise sogar gefälschte Lizenznummern.
Anleger glauben, sie investieren bei einem regulierten Finanzdienstleister – tatsächlich überweisen sie ihr Geld an ein betrügerisches Netzwerk. Das Geld wird meist sehr schnell weitertransferiert oder in Kryptowährungen umgewandelt.
Sie sprechen von internationalen Netzwerken. Welche Rolle spielen Landesgrenzen?
Linnemann:
Praktisch keine. Die Täter sitzen oft in Osteuropa, Asien oder im Nahen Osten. Server stehen in Drittstaaten, Konten laufen über Offshore-Banken. Die Geschädigten sitzen in Deutschland oder Österreich.
In meiner Praxis sehe ich regelmäßig deutsche Anleger, die auf Plattformen investiert haben, vor denen zuvor bereits ausländische Aufsichtsbehörden gewarnt hatten.
Welche typischen Warnzeichen gibt es?
Linnemann:
- Ungewöhnlich hohe oder garantierte Renditen
- Druckaufbau („Jetzt investieren!“)
- Kontaktaufnahme über WhatsApp oder Telegram
- Keine klare Zulassungsnummer oder fehlender Eintrag bei BaFin/FMA
- Aufforderung zu Nachzahlungen für „Steuern“, „Freischaltung“ oder „Provisionen“
Besonders kritisch sind Angebote über Messenger-Dienste – wie im Fall „Dorean“ – da seriöse Finanzdienstleister üblicherweise nicht ausschließlich über WhatsApp arbeiten.
Was sollten Betroffene tun?
Linnemann:
- Sofort keine weiteren Zahlungen leisten.
- Die eigene Bank kontaktieren – manchmal lassen sich Überweisungen noch stoppen.
- Anzeige bei der Polizei erstatten.
- Fachanwalt für Kapitalmarktrecht konsultieren.
- Prüfen lassen, ob Ansprüche gegen Zahlungsdienstleister bestehen.
In manchen Fällen kann geprüft werden, ob Banken oder Zahlungsabwickler Sorgfaltspflichten verletzt haben.
Gibt es Hoffnung, verlorenes Geld zurückzubekommen?
Linnemann:
Das hängt stark vom Einzelfall ab. Direkt von den Tätern ist eine Rückholung oft schwierig. Aber in bestimmten Konstellationen können Schadensersatzansprüche gegen beteiligte Zahlungsdienstleister oder Banken geprüft werden.
Wichtig ist: Je schneller gehandelt wird, desto besser.
Ihr Rat an Anleger?
Linnemann:
Vor jeder Investition prüfen, ob das Unternehmen tatsächlich zugelassen ist – in Deutschland über die BaFin-Datenbank, in Österreich über die FMA.
Wenn eine Plattform mit internationalem Sitz wirbt, aber deutschsprachige Kunden aggressiv anspricht, sollte man besonders vorsichtig sein.
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum – aber es ist ein Raum, in dem Betrüger sehr professionell auftreten. Skepsis ist hier der beste Anlegerschutz.
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