Der norwegische Staatsfonds, offiziell als „Government Pension Fund Global“ bekannt und mit einem Anlagevolumen von mehr als 1,4 Billionen Euro der größte Staatsfonds der Welt, hat seine Beteiligungen an insgesamt elf israelischen Unternehmen verkauft. Die Entscheidung wurde am Montag von den Verantwortlichen des Fonds bekannt gegeben und mit der anhaltenden „schweren humanitären Krise“ im Gazastreifen begründet.
Der Schritt ist Teil der ethischen Anlagestrategie des Fonds, die seit Jahren vorsieht, Investitionen in Unternehmen zu vermeiden, die in schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung oder andere ethisch problematische Geschäftspraktiken verwickelt sind. Dabei greift der Fonds regelmäßig auf Empfehlungen eines unabhängigen Ethikrats zurück. Ziel ist es, nicht nur wirtschaftlich erfolgreich zu investieren, sondern auch gesellschaftliche und politische Verantwortung zu übernehmen.
Welche elf Unternehmen genau von dem Ausstieg betroffen sind, wurde in der Mitteilung nicht offengelegt. Klar ist jedoch, dass der Fonds zur Jahresmitte Anteile an insgesamt 61 israelischen Firmen hielt. Durch den Verkauf wird dieser Bestand nun deutlich reduziert, was vor allem symbolische Wirkung entfalten dürfte.
Der norwegische Staatsfonds hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Unternehmen aus dem Portfolio ausgeschlossen – darunter internationale Konzerne aus der Rüstungsindustrie, der Rohstoffförderung und der Textilproduktion. Die Gründe reichten von Kinderarbeit über Umweltkatastrophen bis hin zu Korruptionsfällen. Diese konsequente Anwendung der eigenen Ethikrichtlinien hat dem Fonds weltweit den Ruf eines Vorreiters für nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Investieren eingebracht.
Die aktuelle Entscheidung dürfte politisch sensibel sein. Der Rückzug aus israelischen Unternehmen könnte sowohl als moralisches Statement gegen Menschenrechtsverletzungen als auch als wirtschaftlicher Druck verstanden werden. Experten weisen jedoch darauf hin, dass der Einfluss auf die betroffenen Firmen aufgrund der relativ geringen Beteiligungshöhen des Fonds im Einzelfall begrenzt sein könnte.
Gleichzeitig könnte der Schritt in diplomischen Kreisen für Diskussionen sorgen. Norwegen hat traditionell eine aktive Rolle in internationalen Friedensvermittlungen, insbesondere im Nahostkonflikt. Der Staatsfonds als wirtschaftliches Instrument könnte somit indirekt Teil einer größeren politischen Strategie sein.
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