Was macht man, wenn man als kleines Land mit mehr Kühen als Kampfdrohnen plötzlich im Zentrum des globalen Handelskriegs steht?
Die Niederlande haben’s ausprobiert – und kurzerhand den Chiphersteller Nexperia verstaatlicht. Oder, wie die Regierung es nennt: „einen außergewöhnlichen Schritt“.
Klingt nobel, bedeutet aber übersetzt:
„Wir haben’s nicht freiwillig gemacht, aber die Amis haben so lange geguckt, bis wir’s getan haben.“
Ein Gesetz aus der Mottenkiste – jetzt wieder lieferbar
Die Aktion basiert auf einem Gesetz von 1952, also aus einer Zeit, als Chips noch Kartoffeln waren.
Das „Gesetz über die Verfügbarkeit von Waren“ erlaubt es dem Staat, Betriebe zu übernehmen, wenn sie „sicherheitsrelevant“ sind.
Offenbar ist ein Halbleiterwerk in Nijmegen jetzt also auf einer Stufe mit Panzerteilen und Windmühlen.
Offiziell begründet die Regierung den Schritt mit „gravierenden Mängeln in der Unternehmensführung“ bei Nexperia.
Inoffiziell flüsterte Washington wohl: „Schöne Chipfabrik habt ihr da – wäre doch schade, wenn die auf der schwarzen Liste bleibt.“
China: Empört, USA: Zufrieden, Niederlande: Müde
Das US-Handelsministerium hatte Nexperia auf die berühmte „Entity List“ gesetzt – also die schwarze Liste für Firmen, die man lieber nicht zum Grillfest einlädt.
Und wie’s der Zufall will:
Chef Zhang Xuezheng ist Chinese, Eigentümer war der chinesische Konzern Wingtech, und Amerika bekommt sofort Hautausschlag, wenn irgendwo „Made in China“ steht.
Nun also Regierungsübernahme in Nijmegen, und der neue Chef ist – Trommelwirbel – ein Deutscher.
Stefan Tilger heißt er, und seine Mission klingt wie ein Netflix-Thriller:
„60 Tage, um US-Sanktionen zu stoppen.“
Man kann sich das vorstellen: Tilger im Reinraum, mit Laptop in der einen und US-Sanktionsverordnung in der anderen Hand, während im Hintergrund jemand ruft:
„Wenn wir bis Mitternacht keine Ausnahmegenehmigung haben, steht Hamburg still!“
Wenn zwei sich streiten, zahlt Europa die Stromrechnung
Blöd nur: Während Washington und Peking sich gegenseitig mit Zöllen, Drohungen und moralischer Überlegenheit bewerfen,
sitzt Europa – und insbesondere die Niederlande – dazwischen wie ein Holländer beim Eishockeyfinale:
auf dem Eis, aber ohne Helm.
China spricht von „wirtschaftlichem Banditentum“,
die USA loben „mutiges Handeln“,
und Den Haag versucht, das Gesicht zu wahren, während es in den Akten nach „Strategischer Souveränität für Dummies“ blättert.
Fazit: Zwischen Tulpen und Transistoren
Nexperia ist jetzt Staatsbetrieb – irgendwie.
China ist sauer, Amerika zufrieden, und die Niederlande hoffen, dass sich niemand mehr an sie erinnert, sobald der nächste Chipkrieg losgeht.
Oder, wie es ein Diplomat in Den Haag wohl formulieren würde:
„Wir wollten einfach nur unsere Mikrochips behalten – und jetzt haben wir plötzlich Geopolitik im Hausflur.“
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