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Nehmt dem doch mal das Mikrofon weg!

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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In der Nacht auf Donnerstag hielt US-Präsident Donald Trump eine „Rede an die Nation“. Also, offiziell. Inoffiziell war es eher ein 20-minütiges Selbstgespräch mit Kamera – inklusive Eigenlob in Überdosis, einem Scheck für Soldaten, viel Biden-Bashing und einer überraschenden Funkstille zu Ukraine und Venezuela.

Trump nutzte die Gelegenheit, um sich nach fast einem Jahr im Amt ein Glanzzeugnis auszustellen. Wirtschaftlich gehe es steil bergauf, sagte er – und zwar so steil, dass die Amerikaner „bald sogar in ihrer Brieftasche lächeln“ würden. Schuld an allem Schlechten? Natürlich: Joe Biden. Oder, wie Trump ihn nannte, „der Erfinder der Inflation, der illegalen Einwanderung und der woken Apokalypse“.

Scheck à la 1776

Als patriotisches Schmankerl kündigte Trump einen „Krieger-Bonus“ für US-Soldaten an: 1.776 Dollar – nicht, weil er so großzügig ist, sondern weil das eben das Jahr der US-Unabhängigkeit war. (Historische Zahl, historische Geste – fehlt nur noch der George-Washington-Hut.) Finanziert werden soll das Ganze aus Trumps Zollpolitik, die offenbar mehr einbringt als gedacht.

Nicht ganz neu: Schon während der Pandemie hatte Trump Schecks verteilt – damals 1.200 Dollar. Unter Biden gab’s sogar 2.000. Trumps Team kontert: „Das war weniger unabhängig, mehr sozialistisch.“

Rekordbudget, aber bitte ohne Ukraine

Ebenfalls durchgewunken: ein Rekord-Verteidigungsetat von 901 Milliarden Dollar. Davon gibt’s auch vier Prozent mehr Gehalt für Soldaten. Klingt gut. Doch wer auf Worte zu aktuellen Krisen wie dem Ukraine-Krieg oder Venezuelas Öltanker-Blockade wartete – wartete vergeblich. Stattdessen gab’s einen halben Satz zu Drogenschmugglern und vier tote „Bösewichte“ in der Karibik. Und das war’s.

Kritik? Oh ja.

Die Demokraten reagierten verschnupft. Senator Chuck Schumer meinte, Trump lebe in einer „Realitätsblase, die selbst Fox News zu absurd wäre“. Wirtschaft? Schleppend. Inflation? Nervig. Und Trumps Umfragewerte? Im freien Fall – nur 43 % Zustimmung zu seiner Wirtschaftspolitik, 57 % sind „besorgt“.

Doch auch aus den eigenen Reihen hagelt’s Kritik. Die MAGA-Bewegung (Trumps ultratreue Fanbase) will weniger Außenpolitik und mehr Fokus aufs Inland. Und dann ist da noch der Epstein-Skandal: Trump, einst auf Fotos mit dem verurteilten Sexualstraftäter zu sehen, musste nach langem Zögern ein Gesetz zur Offenlegung von Ermittlungsakten unterschreiben. Deadline: 19. Dezember. Fröhliche Weihnachten!


Fazit: Trump redet – viel und gern. Über sich, gegen Biden und für Soldaten. Über den Rest lieber nicht. Vielleicht wäre es tatsächlich an der Zeit, ihm mal kurz das Mikro wegzunehmen. Nur so, für ein bisschen Ruhe.

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