Helau aus Luzern! Wo einst Teufel, Trommler und tanzende Kühe den Umzug dominierten, marschierten dieses Jahr glitzernde Roboter mit LED-Augen durch die Gassen – und kein Mensch wusste mehr, ob das jetzt ein Fasnachtswagen oder die neue Benutzeroberfläche von ChatGPT war.
Denn das Zeitalter der KI ist da – nicht nur in den Rechenzentren Kaliforniens, sondern auch zwischen Guggenmusik und Gulaschsuppe. Während sich der gemeine Karnevalsjeck noch fragt, wie man „Prompt-Engineering“ buchstabiert, entwickeln KI-Browser bereits Lebensläufe, buchen Flüge und organisieren einem die nächste Scheidung. Natürlich vollautomatisiert und inklusive passender Spotify-Playlist.
Und dann wäre da noch diese Browser-Revolution: Chrome bekommt Konkurrenz von künstlich befeuerten Start-ups, die so klingen, als hätte jemand beim Planen eines Marvel-Reboots die Tabulatortaste klemmen lassen: Comet, Neon, Arc, Grok – und bald auch: „Oopsi“, der erste KI-Browser, der versehentlich deine Steuererklärung an deinen Ex schickt.
Natürlich sind diese neuen Browser nicht nur freundlich. Sie durchsuchen Webseiten, fressen Daten, knabbern am Werbebudget der Online-Wirtschaft – und schicken den Seitenbetreibern als Dank eine Zusammenfassung im PDF-Format. Kostenlos. Ohne Klick, ohne Kohle, ohne Karma. Der Werbemarkt? Reißt sich gerade digital das Toupet vom Kopf.
Die Inhalte? Sauber verpackt in schlaue Antworten, aber niemand klickt mehr auf den eigentlichen Artikel. Warum auch? Die KI hat doch schon alles erklärt – besser, kürzer und ohne Cookie-Banner.
Und Google? Der Altmeister? Der feuert zurück mit dem „KI-Modus“: Eine Art Super-Suche mit Agenten, die bald auch deine Urlaubswünsche erfüllen, deinen Kleiderschrank organisieren und herausfinden, welche Serie du angeblich „bald mal anfängst“. Nur zu dumm, dass man dafür einen Workspace-for-Education-Account und vermutlich auch die Seelenruhe eines Zen-Mönchs braucht.
Im Hintergrund diskutiert die Digitalwirtschaft über Einnahmen, Datenklau und Trafficverlust, während die Nutzer*innen derweil gemütlich mit „Max“ ihre Pasta-Zutaten bestellen und sich von „Deep Search“ ein Hochzeitskleid empfehlen lassen – für eine Beziehung, die sie nie hatten.
Was bleibt uns also? Der Humor. Und der Narrenspiegel. In Luzern jedenfalls weiß man: Wenn der Roboter an der Laterne trommelt und der Algorithmus eine Maske trägt, dann ist Fastnacht – oder einfach nur Dienstag im Internet.
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