Startseite Allgemeines Nächste Traditionsbrauerei in der Insolvenz: Die Pleitewelle macht vor keiner Branche halt – aber die Wahrheit ist unbequemer
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Nächste Traditionsbrauerei in der Insolvenz: Die Pleitewelle macht vor keiner Branche halt – aber die Wahrheit ist unbequemer

geralt (CC0), Pixabay
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Wieder eine Insolvenz. Wieder ein Traditionsunternehmen. Wieder die gleichen Schlagzeilen.

Diesmal trifft es die Aktienbrauerei Kaufbeuren, deren Geschichte bis ins Jahr 1308 zurückreicht. Nach mehr als 700 Jahren muss die Brauerei nun ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen. Die Produktion läuft zwar vorerst weiter, doch für die 84 Beschäftigten beginnt eine Zeit der Unsicherheit. Nach Berichten könnten langfristig bis zu die Hälfte der Arbeitsplätze wegfallen.

Die Verantwortlichen nennen die bekannten Gründe: hohe Energiekosten, steigende Personalkosten und ein schwieriges Marktumfeld. Das stimmt alles. Aber es erklärt nur einen Teil der Geschichte.

Die Insolvenzwelle erfasst inzwischen alle Branchen

Ob Baumärkte, Möbelhändler, Textilketten, Bäckereien oder nun Brauereien – die Liste der Unternehmen, die in den vergangenen Jahren in die Insolvenz gerutscht sind, wird immer länger.

Die deutsche Wirtschaft kämpft mit hohen Kosten, schwacher Konsumlaune und einer anhaltenden Investitionszurückhaltung. Die Insolvenzwelle macht längst keinen Unterschied mehr zwischen Industrie, Handel oder Handwerk.

Doch wer jede Pleite ausschließlich auf Energiepreise, Bürokratie oder die allgemeine Wirtschaftslage schiebt, macht es sich zu einfach.

Die Zahlen lagen seit Jahren auf dem Tisch

Gerade bei den Brauereien kommt ein weiterer Faktor hinzu: Der Bierkonsum sinkt seit Jahren kontinuierlich.

Das ist keine überraschende Entwicklung. Es ist ein Trend, der seit Jahrzehnten bekannt ist.

Die Deutschen trinken weniger Alkohol. Jüngere Generationen achten stärker auf Gesundheit, Fitness und Ernährung. Alkohol verliert gesellschaftlich an Bedeutung. Gleichzeitig wächst ein anderer Markt seit Jahren zuverlässig:

Alkoholfreie Getränke (AfG).

Ob Mineralwasser, Erfrischungsgetränke, Schorlen, Energydrinks oder alkoholfreie Bieralternativen – der Pro-Kopf-Verbrauch steigt in diesem Segment kontinuierlich an.

Während der klassische Biermarkt schrumpft, wächst der Markt für alkoholfreie Getränke.

Managementfehler kann man nicht wegdiskutieren

Besonders bemerkenswert ist deshalb die Aussage des Sanierungsexperten, dass es „kaum neue Biersorten ohne Zucker und ohne Alkohol“ gegeben habe.

Genau hier liegt möglicherweise einer der entscheidenden Punkte.

Wenn ein Markt seit Jahren schrumpft und ein anderer gleichzeitig wächst, stellt sich zwangsläufig die Frage:

Warum wurde nicht früher konsequent auf alkoholfreie Produkte gesetzt?

Natürlich ist es leichter, auf steigende Kosten zu verweisen. Doch Kosten treffen alle Marktteilnehmer.

Erfolgreiches Management zeichnet sich gerade dadurch aus, Marktveränderungen frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren.

Viele große Getränkehersteller haben genau das getan. Alkoholfreie Biere, funktionelle Getränke, isotonische Produkte und neue Getränkekonzepte wachsen seit Jahren überdurchschnittlich.

Wer dagegen weiterhin hauptsächlich auf ein Produkt setzt, dessen Absatz kontinuierlich zurückgeht, geht ein hohes Risiko ein.

Tradition ist kein Geschäftsmodell

700 Jahre Geschichte verdienen Respekt.

Aber Geschichte allein bezahlt keine Gehälter, keine Energieabrechnungen und keine Investitionen.

Viele Traditionsunternehmen verwechseln leider zu lange ihre Vergangenheit mit ihrer Zukunft.

Der Verbraucher von heute trifft andere Entscheidungen als der Verbraucher von 1990 oder 2000. Wer diese Entwicklung ignoriert, läuft Gefahr, irgendwann von ihr überrollt zu werden.

Die eigentliche Warnung

Die Insolvenz der Aktienbrauerei Kaufbeuren ist deshalb mehr als ein Einzelfall.

Sie zeigt zweierlei:

Erstens, dass die aktuelle Insolvenzwelle inzwischen nahezu alle Branchen erfasst.

Zweitens aber auch, dass nicht jede Insolvenz ausschließlich das Ergebnis äußerer Umstände ist.

Manche Unternehmen werden Opfer schwieriger Märkte.

Andere werden Opfer eines Managements, das bekannte Veränderungen zu lange unterschätzt.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie hoch die Energiekosten sind.

Sondern auch:

Warum haben manche Unternehmen auf die Zukunft reagiert – und andere darauf gewartet, dass die Vergangenheit zurückkehrt?

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