Nachruf auf Robert Duvall (1931–2026)
Mit Robert Duvall ist einer der prägenden Charakterdarsteller des amerikanischen Kinos im Alter von 95 Jahren verstorben. Wie seine Frau Luciana Duvall mitteilte, schlief der Oscar-Preisträger am Sonntag friedlich zu Hause ein. „Wir haben von meinem geliebten Ehemann, geschätzten Freund und einem der größten Schauspieler unserer Zeit Abschied genommen“, erklärte sie.
Mehr als sechs Jahrzehnte stand Duvall vor der Kamera und wirkte in über 130 Film- und Fernsehproduktionen mit. Unvergessen bleibt er als Mafia-Anwalt Tom Hagen in Francis Ford Coppolas „Der Pate“ (1972) und als fanatischer Oberstleutnant Kilgore in „Apocalypse Now“ (1979), dessen Wagner-begleitete Napalm-Attacke zu den ikonischsten Szenen der Filmgeschichte zählt. Für seine Darstellung des gebrochenen Countrysängers Mac Sledge in „Tender Mercies“ („Das Comeback der Liebe“) erhielt er 1984 den Oscar als bester Hauptdarsteller.
Geboren 1931 in San Diego als Sohn eines Admirals, fand Duvall über ein kleines College zur Schauspielerei. Nach Militärdienst und Ausbildung am renommierten Neighborhood Playhouse in New York – wo er zeitweise mit Dustin Hoffman zusammenlebte und mit Gene Hackman studierte – begann eine außergewöhnliche Karriere. Sein Filmdebüt gab er 1962 in „Wer die Nachtigall stört“ als scheuer Boo Radley.
Duvall war ein Schauspieler der leisen Intensität, der Figuren Tiefe und Wahrhaftigkeit verlieh – ob als strenger Marineoffizier in „Der große Santini“, als Prediger in „Apostel!“ oder als alternder Patriarch in „Der Richter – Sein wichtigster Fall“, für den er mit 84 Jahren noch einmal für den Oscar nominiert wurde. Insgesamt war er siebenmal im Rennen um die begehrte Trophäe.
Besonders verbunden fühlte er sich dem Western-Genre. Seine Rolle als Texas-Ranger Augustus McCrae in „Weg in die Wildnis“ bezeichnete er selbst als eine seiner liebsten. Hätte er nicht Schauspieler werden sollen, sagte er einmal, wäre er wohl Cowboy geworden.
Mit Robert Duvall verliert das Kino einen Künstler von außergewöhnlicher Präsenz, Disziplin und Menschlichkeit. Seine Figuren bleiben – kraftvoll, vielschichtig und zeitlos.
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