Nachhaltige Geldanlagen sind längst mehr als nur ein Trend – immer mehr Menschen wollen ihr Geld so investieren, dass Umwelt-, Sozial- und Ethikkriterien berücksichtigt werden. Doch wie gut sind Banken wirklich darin, nachhaltige Investment-Optionen zu erklären und passende Produkte anzubieten? Dieser Frage ging die Stiftung Warentest nach – mit verdeckten Beratungstests bei sechs deutschen Geldinstituten.
Nachhaltigkeit wird ernster genommen
In allen getesteten Bankfilialen war das Thema „grüne Geldanlagen“ kein Außenseiter mehr: Die Berater sprachen das Thema meist selbst an. Allerdings fällt auf, dass viele der empfohlenen Fonds eher „hellgrün“ als wirklich nachhaltig sind – viele Banken differenzieren kaum zwischen strengen und weniger strengen Nachhaltigkeitskriterien.
So lief der Praxis-Check
Stiftung Warentest schickte drei Testkunden zu jeweils neun Beratungsgesprächen – unter anderem zur Commerzbank, Deutschen Bank, GLS Bank, Hypovereinsbank, Sparkasse und Volksbank. Die Testkunden wollten 40 000 Euro langfristig und nach strengen Nachhaltigkeitskriterien anlegen.
In vielen Gesprächen wurden die persönlichen Finanzen, Risikobereitschaft und Anlageziele sorgfältig erfragt – ein positives Zeichen, denn so konnte die Beratung an die jeweilige Situation angepasst werden.
Produkt-Empfehlungen: Viel Eigenes, wenig Vergleich
Ein wiederkehrender Befund: Banken empfahlen oft hauptsächlich eigene Fonds. Bei der Sparkasse etwa standen vor allem Deka-Fonds im Fokus, bei der Deutschen Bank hauseigene ESG-Produkte. Das bedeutet für Anleger: Die Auswahl ist oft eingeschränkt und nicht unbedingt die nachhaltigste Option auf dem Markt.
Eine Bank sticht positiv heraus
Am besten schnitt in der Gesamtbetrachtung die GLS Bank ab. Hier gab es nicht nur echte nachhaltig ausgerichtete Fonds mit sehr guten Nachhaltigkeitsbewertungen, sondern auch eine umfassende und verständliche Beratung – verteilt auf mehrere Termine. Das machte es besonders für Einsteiger:innen leichter, die Zusammenhänge zu verstehen.
Was Sie als Anleger:in beachten sollten
Wenn Sie eine nachhaltige Anlageberatung nutzen, empfiehlt Stiftung Warentest unter anderem:
- Klar sagen, was Nachhaltigkeit für Sie bedeutet: Möchten Sie z. B. keine Kohle-, Atom- oder Rüstungsinvestments? Dann benennen Sie das konkret.
- Nach konkreten Produktvorschlägen fragen: Lassen Sie sich nicht mit allgemeinen Aussagen abspeisen.
- Kosten und Risiken genau prüfen: Nachhaltige Fonds sind nicht automatisch sicherer oder renditestärker als klassische Anlagen.
- Bedenkzeit einplanen: Unterzeichnen Sie nichts sofort – nehmen Sie sich Zeit, um Unterlagen zu vergleichen.
Fazit
Die Beratung rund um nachhaltige Geldanlagen ist heute weit verbreitet – das ist ein gutes Zeichen. Doch nicht überall wird die Auswahl an Produkten ausreichend kritisch beleuchtet oder klar erklärt. Wer Wert auf wirklich nachhaltige Investments legt, sollte daher genau nachfragen, vergleichen und sich nicht mit oberflächlichen Angeboten zufriedengeben. Banken mit starker Ausrichtung auf Nachhaltigkeit können dabei ein guter Anfang sein.
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