Mehrere Familien von neun verstorbenen Camperinnen und Betreuern des Sommerlagers Camp Mystic haben Klage gegen texanische Gesundheitsbehörden eingereicht. Sie werfen den Verantwortlichen vor, es versäumt zu haben, ein gesetzlich vorgeschriebenes Evakuierungskonzept durchzusetzen – mit fatalen Folgen.
Die Klage wurde am 23. Februar beim Bundesgericht für den Western District of Texas eingereicht. Sie richtet sich gegen sechs Mitarbeiter des Texas Department of State Health Services (DSHS), darunter Kommissarin Jennifer Shuford. Die Behörde ist seit über 20 Jahren für die Zulassung und Kontrolle von Jugendcamps im Bundesstaat zuständig.
Am 4. Juli 2025 hatten heftige Regenfälle den Guadalupe River anschwellen lassen. Die Flut überraschte das traditionsreiche christliche Mädchen-Camp, das seit 1926 existiert und in einem als „Flash Flood Alley“ bekannten Überschwemmungsgebiet liegt. Insgesamt starben 27 Camperinnen und Betreuer, darunter auch der langjährige Leiter Richard „Dick“ Eastland, der Berichten zufolge versuchte, Kinder zu retten.
Laut Klage verfügte Camp Mystic über keinen funktionierenden Evakuierungsplan für die direkt am Fluss gelegenen Schlafhütten. Stattdessen habe es eine „Stay-put“-Politik gegeben, also die Anweisung, bei Hochwasser nicht zu evakuieren. Jugendcamps in Texas sind jedoch gesetzlich verpflichtet, schriftliche Notfallpläne auszuhängen.
Die Kläger werfen der Behörde vor, das Camp trotz fehlender Evakuierungsstrategie lizenziert zu haben. Zudem habe eine Inspektorin noch zwei Tage vor der Flut in einem Bericht bestätigt, dass die erforderlichen Notfallpläne vorhanden seien – ohne Beanstandungen.
In der Klageschrift heißt es, die Behörden hätten „vorsätzlich“ gegen staatliche Vorschriften verstoßen und damit die „verfassungsmäßigen Rechte auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ verletzt. Die Familien fordern Schadenersatz sowie weitere gerichtliche Maßnahmen.
Camp Mystic kündigte im vergangenen Herbst an, im Sommer 2026 an einem nahegelegenen Standort wieder zu öffnen – mit verbesserten Sicherheitsmaßnahmen. Das Vorhaben stößt auf heftige Kritik. Texass Vizegouverneur Dan Patrick forderte die Gesundheitsbehörde auf, vorerst keine neue Lizenz zu erteilen, solange die Ursachen der Katastrophe nicht vollständig aufgeklärt seien.
Auch das Parlament in Texas will sich im Frühjahr in einer gemeinsamen Anhörung mit dem Unglück befassen.
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