Nach der Tötung des Drogenbosses Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, besser bekannt als „El Mencho“, rechnen Sicherheitsexperten mit einer weiteren Eskalation der Gewalt in Mexiko – allerdings in veränderter Form. Zwar könnten die öffentlichen Machtdemonstrationen des Jalisco-Neue-Generation-Kartells (CJNG) noch einige Tage oder Wochen anhalten. Langfristig dürfte sich die Gewalt jedoch stärker nach innen und gegen rivalisierende Kartelle richten.
Unmittelbar nach dem Tod des Kartellchefs am 22. Februar in Jalisco reagierte das CJNG mit einer Welle koordinierter Angriffe. In mindestens 20 Bundesstaaten wurden Fahrzeuge, Busse und Geschäfte angezündet sowie Straßen blockiert. Nach offiziellen Angaben kamen mindestens 62 Menschen ums Leben, darunter 25 Angehörige der Nationalgarde. Rund 70 Personen wurden festgenommen.
Beobachter erinnern an ähnliche Machtdemonstrationen in der Vergangenheit. 2015 schoss das CJNG bei einem Militäreinsatz sogar einen Hubschrauber mit einer Panzerfaust ab. Auch das Sinaloa-Kartell legte 2019 ganze Städte lahm, als einer der Söhne von „El Chapo“ festgenommen werden sollte.
Experten gehen jedoch davon aus, dass die derzeitige Gewalt vor allem symbolischen Charakter hat. Das Kartell wolle Stärke demonstrieren und dem Staat Vergeltung signalisieren. „Nichts, was sie jetzt tun, bringt Mencho zurück“, sagte der frühere Geheimdienstchef der US-Drogenbehörde DEA, Anthony Placido. Entscheidend sei nun die Frage der Nachfolge.
„El Mencho“ hinterlässt offenbar keinen klar benannten Erben. Sollte sich die Führung nicht rasch neu ordnen, drohen interne Machtkämpfe – ähnlich wie beim Sinaloa-Kartell nach der Festnahme von „El Chapo“. Dort kam es in den Folgejahren zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Fraktionen.
Analysten erwarten daher eine „kompliziertere und länger anhaltende Gewalt“, die sich stärker gegen konkurrierende Gruppen richtet. Ein offener, langfristiger Krieg gegen den mexikanischen Staat gilt hingegen als weniger wahrscheinlich. Kartelle seien primär an stabilen Rahmenbedingungen für ihr Kerngeschäft interessiert: den milliardenschweren Handel mit Drogen wie Fentanyl, Methamphetamin und Kokain.
Kurzfristig bleibt die Lage jedoch angespannt. Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass das CJNG weiterhin über erhebliche militärische Fähigkeiten verfügt. Langfristig dürfte es jedoch – wie andere Kartelle zuvor – vor allem um eines gehen: die Sicherung von Einflussgebieten und Einnahmequellen.
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