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Nach Charlie Kirks Tod: Hunderte verlieren ihren Job wegen Social-Media-Posts

PaliGraficas (CC0), Pixabay
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Nach der Ermordung des rechtsgerichteten Aktivisten Charlie Kirk im September 2025 ist es in den USA zu einer beispiellosen Welle arbeitsrechtlicher Konsequenzen gekommen. Laut einer Reuters-Recherche wurden mehr als 600 Menschen entlassen, suspendiert oder disziplinarisch belangt, weil sie sich in sozialen Netzwerken kritisch, spöttisch oder auch nur distanziert über Kirks Tod geäußert hatten.

Für viele Betroffene fühlt sich das wie eine politische Säuberung an – und wie ein massiver Eingriff in die Meinungsfreiheit.

Ein Facebook-Post – und die Karriere ist vorbei

Eine von ihnen ist Julie Strebe, eine langjährige Sheriff-Stellvertreterin aus Missouri. Kurz nach dem Attentat schrieb sie auf Facebook: „Empathie schuldet man Unterdrückern nicht.“ In Kommentaren bezeichnete sie Kirk als rassistisch und homophob. Wenige Tage später wurde sie suspendiert, dann entlassen.

Online formierte sich rasch eine Kampagne gegen sie. Ihre Familie wurde bedroht, ihr Mann geschäftlich unter Druck gesetzt. Strebe sagt, sie sei Opfer einer „Mob-Mentalität“ geworden. Nach 19 Dienstjahren verlor sie ihre Stelle – und damit auch ihre Aussicht auf eine volle Pension.

Öffentlicher Druck – politische Verstärkung

Der Druck auf Arbeitgeber wurde teils offen befeuert. US-Vizepräsident JD Vance rief in einem Podcast dazu auf, Menschen zu melden, die Kirks Tod feierten – und deren Arbeitgeber zu kontaktieren.

Eine inzwischen abgeschaltete Website sammelte Namen und persönliche Daten von Personen, die sich kritisch geäußert hatten. Beschwerden – häufig anonym – gingen bei Behörden, Schulen und Unternehmen ein. Manche Arbeitgeber reagierten offenbar vorsorglich, selbst wenn es keine formellen Beschwerden gab.

Juristische Gegenwehr

Bürgerrechtsorganisationen wie die Foundation for Individual Rights and Expression (Fire) sehen darin einen massiven Angriff auf das Recht auf freie Meinungsäußerung – insbesondere bei öffentlichen Angestellten.

So klagt etwa Monica Meeks aus Tennessee gegen ihre Entlassung. Sie hatte Kirk als „White Supremacist“ bezeichnet. Ein anderer Fall betrifft eine Schulangestellte, die lediglich ein Zitat Kirks zur Waffenpolitik gepostet hatte. In beiden Fällen argumentieren die Anwälte, die Kündigungen verletzten den ersten Verfassungszusatz.

Einige Verfahren zeigen Wirkung: In einem ähnlichen Fall wurde ein entlassener Professor wieder eingestellt und erhielt eine hohe Entschädigung. Doch viele Betroffene verzichten auf Klagen – aus Angst vor weiterer öffentlicher Hetze oder weil sie beruflich keinen Schaden riskieren wollen.

Private Arbeitgeber – weniger Schutz

Anders ist die Lage für Beschäftigte im Privatsektor. Die Autorin Gretchen Felker-Martin verlor nach provokanten Posts einen Comic-Auftrag bei DC Comics. Das Unternehmen erklärte, nicht ihre Meinung, sondern der „Ton“ ihrer Äußerungen sei problematisch gewesen.

Hier greifen verfassungsrechtliche Schutzmechanismen deutlich weniger. Unternehmen können Verträge beenden, wenn sie Imageschäden befürchten.

Ein Kulturkampf um Meinungsfreiheit

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Ausgerechnet ein politisches Umfeld, das sich selbst als Vorkämpfer der Redefreiheit inszeniert, unterstützte teils aktiv Kampagnen gegen missliebige Meinungen.

Kritiker sehen darin eine Doppelmoral. Historiker wie Mark Bray sprechen von einer „Race-to-the-bottom“-Dynamik: Politische Lager versuchten, einander mit Entlassungskampagnen zu überziehen – ein Trend, der sich bereits nach anderen politisch aufgeladenen Ereignissen gezeigt habe.

Angst und Selbstzensur

Neben den formalen Kündigungen bleibt vor allem ein Klima der Einschüchterung. Mehrere Betroffene berichten von Drohungen, Überwachung oder massiven Online-Anfeindungen. Manche sind umgezogen, andere haben ihre Social-Media-Konten gelöscht.

Für Julie Strebe geht es inzwischen weniger um den verlorenen Job als um ein Prinzip: „Ich habe das nicht für das Geld gemacht“, sagt sie. „Es geht ums Recht, seine Meinung zu sagen.“

Der Fall zeigt, wie schnell digitale Empörung in reale Konsequenzen umschlagen kann – und wie fragil das Gleichgewicht zwischen Meinungsfreiheit, öffentlichem Druck und beruflicher Sicherheit geworden ist.

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