Was als gewöhnlicher Tiertransport begann, droht jetzt zu einem der schwersten Tierschutzskandale des Jahres zu werden. Fast 3.000 Rinder aus Uruguay befinden sich seit über zwei Monaten auf dem Frachtschiff Spiridon II – und niemand weiß, ob sie überhaupt lebend wieder an Land kommen.
Nachdem die Türkei die Einfuhr verweigert hat, zeigt der Schiffsverfolgungsdienst MarineTraffic, dass das Schiff offenbar wieder Kurs Richtung Südamerika nimmt. Eine offizielle Bestätigung fehlt – doch die Hinweise sind eindeutig. Und die Prognosen der Tierschützer sind düster.
„Wenn das Schiff zurückkehrt, kommt es leer zurück“ – Tierschützer warnen vor Massentiersterben
Die Animal Welfare Foundation (AWF), die seit Jahren Missstände bei Tiertransporten dokumentiert, spricht eine vernichtende Warnung aus:
„Wenn das Schiff wirklich nach Uruguay zurückkehrt, gehen wir davon aus, dass es leer ankommen wird.“
Ein Satz, der kaum sarkastischer, aber dafür grausamer sein könnte: Leer meint nicht entladen – sondern tot.
Die Rinder sind seit Wochen in einer Situation gefangen, die selbst für erfahrene Tierärzte kaum noch vorstellbar ist.
Monate im Dreck – extreme Ammoniakwerte, kein Platz, keine Pflege
Nach Angaben der AWF stehen die Tiere:
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seit über 60 Tagen in ihren eigenen Exkrementen,
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insbesondere in den unteren Decks in extrem hoher Ammoniakbelastung,
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ohne frische Luft, ohne Auslauf, ohne adäquate Hygiene.
Viele Tiere seien bereits geschwächt. Einige vermutlich verendet. Doch besonders dramatisch ist die Lage der trächtigen Tiere.
Die Hälfte der Kühe ist trächtig – Neugeborene haben kaum Chancen
Von den rund 3.000 Rindern soll etwa die Hälfte trächtig sein. Das bedeutet:
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täglich könnten Kälber geboren werden,
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und täglich könnten Kälber sterben – durch Enge, Infektionen oder fehlende tierärztliche Betreuung.
Geburten auf einem decküberfüllten Ammoniakschiff? Für AWF ist die Antwort klar:
„Dass Kälber in dieser Situation überleben, ist extrem unwahrscheinlich.“
Nicht einmal Melkvorrichtungen vorhanden – Euterentzündungen unvermeidbar
Dass die Tiere über Wochen nicht gemolken werden, erhöhe das Risiko schwerer Euterentzündungen dramatisch. Die Crew ist laut AWF weder ausgebildet noch ausgestattet, damit umzugehen.
Für viele Tiere bedeutet das: monatelange Qualen – und ein qualvoller Tod.
Warum die Türkei die Einfuhr verweigerte
Die Türkei begründete ihre Entscheidung mit:
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fehlenden oder fehlerhaften Chips,
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nicht übereinstimmenden Ohrmarken,
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Abweichungen zwischen Transportlisten und tatsächlicher Ladung.
Kurzum: Dokumentenchaos – ein häufiger Missstand bei internationalen Tiertransporten, der Folgen für die Tiere hat, nicht für diejenigen, die sie verladen haben.
Während vor der Küste gewartet wurde, verschlechterten sich die Bedingungen an Bord stündlich.
Ein Systemproblem – kein Einzelfall
Tiertransporte über Wochen sind im internationalen Handel nichts Neues – doch immer wieder geraten Schiffe in Situationen, in denen Tiere zum Spielball von Bürokratie, Profitinteressen und politischen Entscheidungen werden.
Die Spiridon II ist nur das jüngste Beispiel eines globalen Geschäfts, in dem Tiere oft als Ladung, nicht als Lebewesen behandelt werden.
Und jetzt? Uruguay schweigt – die Kühe leiden
Noch ist unklar, ob das Schiff wirklich nach Lateinamerika zurückkehrt, ob ein anderer Hafen angefahren wird oder ob die Tiere irgendwo notgeschlachtet werden.
Was jedoch sicher ist:
Je länger die Reise dauert, desto mehr Tiere werden sterben.
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