Als Lauren Ver Steeg mit 26 Jahren immer wieder Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme hatte, nahm sie die Symptome zunächst nicht ernst. Heute weiß sie: Es waren die ersten Anzeichen von Darmkrebs im Enddarm (Rektumkarzinom) im fortgeschrittenen Stadium.
Statt zu verzweifeln, entschied sich die junge Frau aus den USA für einen ungewöhnlichen Weg: offen über ihre Krankheit zu sprechen – und sogar Witze darüber zu machen.
Symptome lange unterschätzt
Rückblickend beschreibt Ver Steeg, dass sie schon länger unter Magen- und Darmproblemen litt. Häufige Durchfälle oder sogar Blut nach dem Toilettengang führte sie zunächst auf harmlose Ursachen zurück.
„Ich habe es einfach als Hämorrhoiden abgetan – so wie wahrscheinlich viele Menschen“, sagt sie.
Auch als ein Arzt ihr empfahl, wegen der Beschwerden einen Gastroenterologen aufzusuchen, schob sie den Termin zunächst auf. Zu verlockend war das Leben nach der Pandemie in New York – mit Freunden ausgehen und das Leben genießen.
Erst als sich die Beschwerden einige Monate später deutlich verschlimmerten, ließ sie sich untersuchen. Eine Darmspiegelung brachte schließlich die schockierende Diagnose: ein bösartiger Tumor im Enddarm – Darmkrebs im Stadium 3.
Darmkrebs trifft immer häufiger junge Menschen
Experten beobachten seit einigen Jahren einen besorgniserregenden Trend. Laut einem Bericht der American Cancer Society steigt die Zahl der Rektumkrebsfälle bei Erwachsenen aller Altersgruppen. Zwischen 2018 und 2022 nahm die Häufigkeit jährlich um etwa ein Prozent zu.
Besonders alarmierend: Viele junge Patientinnen und Patienten erhalten die Diagnose erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Etwa drei von vier Erkrankten unter 50 Jahren erfahren erst spät, dass sie an Darmkrebs leiden.
Therapie mit Bestrahlung, Chemotherapie und Operation
Für Ver Steeg begann eine intensive Behandlung. Zunächst erhielt sie einen Monat lang täglich Strahlentherapie, anschließend folgten acht Runden Chemotherapie über vier Monate. Schließlich wurde der Tumor operativ entfernt.
Heute, zwei Jahre nach der Diagnose, hat die inzwischen 28-Jährige seit anderthalb Jahren keine Anzeichen der Krankheit mehr. Wenn sie fünf Jahre ohne Rückfall bleibt, gilt sie offiziell als geheilt.
Humor als Überlebensstrategie
Um mit der schweren Situation umzugehen, griff Ver Steeg zu einem ungewöhnlichen Mittel: Humor. Gemeinsam mit Familie und Freunden gab sie ihrem Tumor sogar einen Namen.
Sie nannten ihn „Stu“ – kurz für „stupid tumor“ (dummer Tumor).
Ihre Mutter, eine Grafikdesignerin, entwarf später eine Cartoon-Figur von „Stu“. Daraus entstanden T-Shirts, deren Verkauf Geld für die Darmkrebsforschung einbringt.
„Mit 26 Jahren mit Krebs konfrontiert zu werden, ist keine leichte Sache – besonders wenn es um den Hintern geht“, sagt sie. „Manchmal hilft es einfach, darüber zu lachen.“
Aufklärung gegen ein Tabuthema
Ver Steeg nutzt ihre Geschichte inzwischen bewusst, um über ein Thema zu sprechen, das vielen Menschen unangenehm ist: Darmgesundheit.
„Niemand möchte über Verdauung oder Stuhlgang sprechen“, sagt sie. „Aber je normaler wir darüber reden, desto leichter fällt es, Hilfe zu suchen.“
In ihrem Umfeld habe sie bereits einen Effekt bemerkt. Freunde, Kollegen und Familienmitglieder hätten ihr geschrieben, dass sie aufgrund ihrer Geschichte Arzttermine vereinbart oder eine Darmspiegelung geplant hätten.
Früherkennung kann Leben retten
Darmkrebs gehört laut American Cancer Society zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen bei Menschen unter 50 Jahren und ist insgesamt die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache.
Dabei gilt die Erkrankung als gut behandelbar – wenn sie früh erkannt wird.
Rund 55 Prozent der Fälle lassen sich auf bekannte Risikofaktoren zurückführen, darunter:
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Bewegungsmangel
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Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
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Übergewicht
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viel rotes oder verarbeitetes Fleisch
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ballaststoffarme Ernährung
„Früherkennung ist der Schlüssel“
Ver Steeg hofft, dass ihre Geschichte andere dazu motiviert, Symptome ernst zu nehmen und Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen.
„Früherkennung ist wirklich der Schlüssel“, sagt sie – und bleibt dabei ihrem Humor treu:
„Und wenn ich noch einen Hintern-Witz machen darf: Es erspart einem später eine Menge Probleme.“
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