Nach dem tödlichen Polizeieinsatz eines US-Einwanderungsbeamten in Minneapolis sorgt Bürgermeister Jacob Frey erneut für Schlagzeilen – dieses Mal mit einer unmissverständlichen Botschaft an die Bundesbehörde: „Verschwindet verdammt nochmal aus Minneapolis!“
Die drastischen Worte fielen bei einer Pressekonferenz nach der Erschießung von Renee Nicole Good (37), die von einem ICE-Beamten (Immigration and Customs Enforcement) während eines Einsatzes getötet wurde. Der Vorfall wurde auf Video festgehalten und widerspricht laut ersten Einschätzungen der offiziellen Darstellung der Bundesregierung, die von Selbstverteidigung sprach.
Frey, inzwischen in seiner dritten Amtszeit, hat sich in der Vergangenheit mehrfach als lautstarker Kritiker bundespolitischer Maßnahmen gezeigt – vor allem, wenn es um Themen wie Polizeigewalt, Einwanderung oder Diskriminierung geht. In einer Gastkolumne der New York Times schrieb er: „Ich bin der Bürgermeister von Minneapolis. Trump lügt euch an.“ Der Vorwurf: Die Bundesregierung habe gezielt Unruhe gestiftet, die den tragischen Tod von Good überhaupt erst möglich gemacht habe.
Ein Bürgermeister mit Profil – und Haltung
Jacob Frey, der ursprünglich aus Virginia stammt, war einst professioneller Langstreckenläufer und studierte Jura. Über ein Engagement im Bereich Bürgerrechte fand er seinen Weg in die Politik. 2018 wurde er Bürgermeister, seitdem kämpft er für Gleichberechtigung, bezahlbaren Wohnraum und eine Reform der Polizei.
Frey wurde landesweit bekannt durch seine Rolle während der Proteste nach dem Tod von George Floyd im Mai 2020, der von einem Polizisten in Minneapolis getötet wurde. Damals warfen Kritiker ihm einerseits mangelnde Führung, andererseits zu große Nähe zu den Demonstranten vor. Präsident Trump griff ihn öffentlich an. Frey hielt dagegen: „Schwäche ist, keine Verantwortung zu übernehmen. Wir stehen das durch.“
Spannungen mit ICE und dem Weißen Haus
Mit dem jüngsten Vorfall rund um die tödliche ICE-Razzia steht Frey erneut im Zentrum einer nationalen Debatte. Während Minneapolis sich bemüht, das Vertrauen zwischen Polizei und Bürgern nach den traumatischen Jahren wieder aufzubauen, erschüttert dieser Fall die Fortschritte.
Experten wie Politikwissenschaftler Andy Aoki sehen Frey heute als gereiften Krisenmanager, der gelernt hat, zwischen verschiedenen politischen Lagern zu vermitteln. Doch der aktuelle Konflikt sei ein echter Härtetest – sowohl politisch als auch emotional.
Kritik – aber auch Anerkennung
Frey hat nicht nur Unterstützer. Teile der Stadtverwaltung sehen ihn als zu zögerlich in seinen Reformen, anderen geht er zu weit. Doch viele Bürger und Kollegen loben seine Authentizität und seinen Einsatz – besonders für marginalisierte Gruppen wie die somalische Gemeinschaft in der Stadt.
Muhammad Abdul-Ahad, Leiter einer lokalen Gewaltpräventionsorganisation, betont: „Jetzt muss Frey zeigen, dass er mehr ist als Worte – er muss handeln.“ Auch mit Blick auf angekündigte Proteste sei eine klare Strategie gefragt.
Fazit
Jacob Frey steht einmal mehr an vorderster Front eines Konflikts, der weit über Minneapolis hinaus Wellen schlägt. Er gilt als Symbolfigur für den Versuch, städtische Integrität gegen bundespolitische Härte zu verteidigen. Ob er den Spagat zwischen Aktivismus, Verantwortung und Realpolitik weiter schafft, bleibt abzuwarten – doch aufgeben scheint keine Option für ihn zu sein.
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