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Mini-Manhattan mit Kaffee und Chaos: Europa träumt wieder von seiner eigenen Wall Street

harpsandflowers (CC0), Pixabay
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Europa will mal wieder groß rauskommen. Diesmal soll es eine eigene „Wall Street“ werden – irgendwo zwischen Frankfurts Bankenviertel, Pariser Grandezza und Brüsseler Bürokratie. Man möchte fast applaudieren: Jahrzehntelang haben wir über die Gier, Geltungssucht und Glaspaläste der echten Wall Street geschimpft – und nun basteln wir uns einfach selbst eine.

Denn was in New York Millionen bewegt, soll ja auch zwischen Spree, Main und Seine funktionieren. Nur eben mit etwas weniger Dynamik, etwas mehr Formularen und einem ordentlichen Espresso dazwischen.

Europas Traum vom schnellen Geld – mit langsamer Verwaltung

Während an der echten Wall Street Aktienhändler in Sekunden Millionen verdienen oder verlieren, wird man in der europäischen Version vermutlich erst einmal eine Arbeitsgruppe bilden, um den passenden Stempel für den Handel zu finden. Ein Meeting folgt dem nächsten, während der Dow Jones schon wieder 300 Punkte schwankt und der DAX kurz überlegt, ob er nachzieht – aber dann doch lieber auf die Genehmigung aus Brüssel wartet.

Und wenn der Handel endlich eröffnet ist, klingelt nicht die Glocke, sondern wahrscheinlich das Diensthandy eines Beamten, der versehentlich die Videokonferenz stummgeschaltet hat.

Bürokratie statt Börsenfieber

In New York tobt das Chaos – Menschen schreien, Telefone klingeln, Zahlen rasen über Bildschirme. In Europa dagegen herrscht wohlgeordnete Ruhe. Die Anleger tragen Krawatte, trinken ihren Latte Macchiato und sagen höflich:
„Entschuldigen Sie, mein Algorithmus kauft gerade versehentlich 20.000 Tesla-Aktien. Dürfte ich bitte eine Korrektur beantragen?“

Die amerikanische Wall Street lebt von Risiko, Instinkt und einem Hauch Wahnsinn. Die europäische Version lebt von Regel 43b Absatz 7. Wer hier zocken will, braucht kein Glück – er braucht Geduld und ein Compliance-Zertifikat.

Vision: Mehr Rendite, weniger Spaß

Natürlich klingt es schön, wenn Europa seine eigene Finanzzentrale aufbauen will – ein Ort, an dem Kapital frei fließt und Innovation gefördert wird. In der Praxis wird man dort aber wohl mehr PowerPoint-Präsentationen sehen als Börsenticker. Und statt Spekulanten in Maßanzügen gibt’s Sitzungen über Nachhaltigkeitsrichtlinien, Geldwäscheparagraphen und die korrekte Mülltrennung im Trading Floor.

Selbstverständlich soll alles „nachhaltig“ werden. Nachhaltige Aktien, nachhaltige Gewinne, nachhaltige Verluste. Vielleicht bekommt man am Ende sogar CO₂-Zertifikate fürs Nichtinvestieren.

Europas Antwort auf den Kapitalismus: Regulierung

Während die Wall Street in New York nach dem Motto „Greed is good“ lebt, lautet der europäische Slogan eher: „Bitte füllen Sie dieses Formular in dreifacher Ausfertigung aus.“
Man stelle sich den Unterschied bildlich vor:
In Manhattan fällt ein Börsenkurs um 10 % – Panik! Hektik! Krawatten werden gelockert!
In Frankfurt fällt derselbe Kurs – und der erste Gedanke ist: „Wir brauchen eine Richtlinie dazu.“

Fazit: Europas Wall Street – der Versuch, wild zu sein mit Sicherheitsnetz

Man muss es den Europäern lassen: Sie haben Mut. Während Amerika Dollarzeichen in den Augen hat, hat Europa Datenschutzsymbole. Und statt Investoren mit Zigarren und Adrenalinschüben gibt’s Ethik-Kommissionen und Nachhaltigkeitsberichte.

Die „Wall Street Europas“ wird also kommen – langsam, ordentlich und perfekt normiert. Sie wird wahrscheinlich pünktlich um 8 Uhr öffnen, eine Mittagspause einlegen und um 17 Uhr schließen, damit niemand überarbeitet wird. Und wenn sie Gewinne macht, wird erst einmal geprüft, ob das überhaupt zulässig war.

Europa wollte schon immer zeigen, dass man Kapitalismus auch mit Moral, Verordnung und Dreifachabsicherung betreiben kann.
Und genau das wird der Unterschied bleiben zwischen New Yorks „Money never sleeps“ und Europas Version:
„Money schläft – aber mit sozialverträglichem Wecker.“

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