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Mexikos meistgesuchter Drogenboss bei Militäreinsatz getötet – Gewaltausbrüche in mehreren Bundesstaaten, US-Touristen sollen Schutz suchen

MakyFoto (CC0), Pixabay
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Nemesio „El Mencho“ Oseguera Cervantes, Anführer des berüchtigten Jalisco-New-Generation-Kartells (CJNG) und einer der weltweit meistgesuchten Drogenhändler, ist am Sonntag nach einem Militäreinsatz im Westen Mexikos gestorben. Sein Tod gilt als bedeutender Schlag gegen das organisierte Verbrechen – auch mit Blick auf den politischen Druck aus den USA.

Oseguera, ein ehemaliger Polizist, hatte das CJNG zu einer der mächtigsten und brutalsten kriminellen Organisationen Mexikos aufgebaut. Nach Angaben der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA zählte das Kartell zu den einflussreichsten Akteuren im internationalen Drogenhandel.

Gewalteskalation nach Militäroperation

Der Zugriff erfolgte in der Stadt Tapalpa im Bundesstaat Jalisco durch Einheiten mehrerer Zweige der mexikanischen Streitkräfte. Während des Einsatzes kam es zu Schusswechseln, bei denen vier mutmaßliche Kartellmitglieder getötet wurden. Oseguera und zwei weitere Personen wurden schwer verletzt und starben laut Verteidigungsministerium während des Transports per Flugzeug nach Mexiko-Stadt. Drei Soldaten wurden ebenfalls verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.

Im Anschluss an die Operation brach in mehreren Bundesstaaten Gewalt aus. Mutmaßliche Mitglieder krimineller Gruppen setzten Busse und Geschäfte in Brand, errichteten Straßensperren und lieferten sich Gefechte mit Sicherheitskräften. Besonders betroffen waren neben Jalisco auch die Bundesstaaten Michoacán und Guanajuato.

Die US-Regierung rief amerikanische Staatsbürger in Teilen Mexikos dazu auf, ihre Unterkünfte nicht zu verlassen und Schutz zu suchen.

Beteiligung der USA

Mexikos Verteidigungsministerium erklärte, US-Behörden hätten ergänzende Informationen bereitgestellt, die den Einsatz unterstützt hätten. Ein US-Verteidigungsbeamter bestätigte, dass eine gemeinsame amerikanische Taskforce zur Bekämpfung von Drogenkartellen eine Rolle gespielt habe. Zugleich betonte er, es habe sich um eine mexikanische Militäroperation gehandelt, deren Erfolg Mexiko zuzuschreiben sei.

Seit Jahresbeginn arbeitet eine bilaterale Einsatzgruppe verstärkt entlang der US-mexikanischen Grenze zusammen, um Kartellstrukturen zu bekämpfen.

Flugausfälle und Chaos in Touristenregionen

Die Gewalt traf auch die Küstenstadt Puerto Vallarta, ein bei US-Touristen beliebtes Urlaubsziel. Dort waren Rauchwolken über brennenden Fahrzeugen zu sehen. Mehrere internationale Fluggesellschaften – darunter Delta, Alaska Airlines, American Airlines und Air Canada – strichen Verbindungen nach Puerto Vallarta und Guadalajara. Reisende strandeten zeitweise an Flughäfen, vereinzelt suchten Passagiere Schutz in Terminals oder wurden über das Rollfeld in Sicherheit gebracht.

Am Sonntagnachmittag teilte die mexikanische Luftfahrtbehörde mit, die Flughäfen von Guadalajara, Puerto Vallarta und Tepic hätten den Betrieb wieder aufgenommen.

Der Gouverneur von Jalisco rief die Bevölkerung dazu auf, zu Hause zu bleiben. Der öffentliche Nahverkehr wurde vorübergehend eingestellt. Berichten zufolge griffen die Unruhen auf mindestens fünf Bundesstaaten über. In Guanajuato kam es zu Brandanschlägen auf Geschäfte und Apotheken, Verletzte wurden dort zunächst nicht gemeldet.

Einer der meistgesuchten Verbrecher

Oseguera war sowohl in Mexiko als auch in den USA zur Fahndung ausgeschrieben. Die mexikanischen Behörden hatten 2018 eine Belohnung von umgerechnet rund 1,7 Millionen US-Dollar für Hinweise zu seiner Ergreifung ausgesetzt, die USA sogar bis zu 15 Millionen Dollar.

Das US-Justizministerium warf ihm unter anderem vor, maßgeblich an der Herstellung und dem Schmuggel von Fentanyl in die Vereinigten Staaten beteiligt gewesen zu sein. 2025 wurde er von den USA als „globaler Terrorist“ eingestuft und mit Sanktionen belegt.

Der stellvertretende US-Außenminister Christopher Landau bezeichnete Osegueras Tod als „bedeutende Entwicklung für Mexiko, die USA, Lateinamerika und die Welt“, zeigte sich jedoch zugleich besorgt über die gewalttätigen Ausschreitungen.

Politischer Druck aus Washington

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum lobte die beteiligten Sicherheitskräfte und erklärte, Bund und Länder arbeiteten eng zusammen, um die Ordnung wiederherzustellen. In weiten Teilen des Landes laufe das öffentliche Leben normal weiter.

Sheinbaum hatte sich in der Vergangenheit skeptisch gegenüber der Strategie geäußert, Kartellführer gezielt auszuschalten, da dies häufig zur Zersplitterung krimineller Gruppen und zu neuen Gewalteskalationen führe. Dennoch steht ihre Regierung unter starkem Druck aus Washington.

US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt mit militärischen Maßnahmen und höheren Importzöllen gedroht, sollte Mexiko keine deutlichen Fortschritte im Kampf gegen den Drogenhandel erzielen. Vorschläge für direkte US-Militäreinsätze auf mexikanischem Staatsgebiet wies Sheinbaum als Verletzung der nationalen Souveränität zurück. Stattdessen setzt sie auf verstärkte Kooperation mit US-Sicherheitsbehörden.

Der Tod „El Menchos“ markiert somit nicht nur einen schweren Schlag gegen eines der mächtigsten Kartelle Mexikos, sondern auch einen politisch sensiblen Moment in den Beziehungen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten.

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