In einem texanischen Abschiebezentrum der US-Einwanderungsbehörde ICE hat sich nun auch die gute alte Masern wieder zurückgemeldet – quasi ein nostalgisches Throwback in Zeiten von Genomeditierung und Künstlicher Intelligenz. Nachdem zwei Fälle bestätigt wurden, wurde kurzerhand die Quarantäne über die Einrichtung verhängt. Was genau das für die dort inhaftierten Eltern und Kinder bedeutet? Keine Ahnung – aber „jegliche Bewegung“ sei jetzt untersagt, sagt das Heimatschutzministerium. Klingt irgendwie… gesund.
Man könnte fast meinen, Masern gehörten zur neuen Standardversorgung in US-Hafteinrichtungen. Impfungen? Prävention? Medizinische Versorgung? Ach, warum in so etwas investieren, wenn man den Ausbruch einer hoch ansteckenden Krankheit auch einfach mit einem beherzten „Bitte nicht bewegen“ bekämpfen kann.
Natürlich handelt es sich – wie so oft – um eine Einrichtung für Migrantinnen und Migranten, viele davon Familien mit kleinen Kindern. Also genau die Zielgruppe, bei der man es sich besonders leisten kann, Gesundheitsstandards kreativ auszulegen. Wer braucht schon Impfschutz, wenn man auch in einem überfüllten, schlecht belüfteten Gebäude auf die Selbstheilungskräfte des American Dream hoffen kann?
Und während draußen lautstark über „Grenzsicherheit“ und „amerikanische Werte“ gestritten wird, dürfen sich drinnen die Insassen über Gratis-Lagerseuche freuen – solidarisch, versteht sich. Vielleicht gibt’s beim nächsten Ausbruch ja einen Gutschein für Hustensaft – oder eine Bonusmaske mit Stars and Stripes.
Bleibt nur eine Frage: Ist das noch Gesundheitsversorgung – oder schon experimentelle Soziologie in staatlicher Regie?
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