Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat seine Wortwahl erneut verschärft und die führende Oppositionspolitikerin María Corina Machado indirekt als „dämonische Hexe La Sayona“ bezeichnet. In einer Rede vor Anhängern sagte der Präsident: „90 Prozent der Bevölkerung lehnen die dämonische Hexe La Sayona ab. Wir wollen Frieden – und wir werden Frieden haben.“
Die Bezeichnung „La Sayona“ ist in Venezuela tief verwurzelt: Sie stammt aus einer alten Volkslegende über den Geist einer Frau, die Männer verführt, bevor sie sie grausam bestraft. Indem Maduro Machado so nennt, versucht er, sie als verführerisch, gefährlich und zerstörerisch darzustellen – ein klassisches Propagandainstrument, um politische Gegnerinnen zu dämonisieren und zu diskreditieren.
Symbolik und Einschüchterung
Politische Beobachter sehen in Maduros Wortwahl keine zufällige Polemik, sondern eine gezielte Strategie der psychologischen Kriegsführung. Machado wird in Regierungskreisen systematisch als Bedrohung für das Land und die Gesellschaft dargestellt. Dass sie eine Frau ist, spielt dabei eine zentrale Rolle – der Machismo in der venezolanischen Politik wird von vielen als bewusstes Mittel genutzt, um starke weibliche Stimmen zum Schweigen zu bringen.
„Maduro benutzt Mythen, um Angst und Misstrauen zu säen“, sagt der Politikwissenschaftler Luis Vicente León. „Er weiß genau, dass solche Begriffe in der venezolanischen Kultur starke emotionale Bilder hervorrufen.“
Die ungebrochene Popularität Machados
Trotz aller Diffamierungen bleibt María Corina Machado äußerst populär – sowohl in Venezuela als auch international. Nach ihrem Sieg bei den internen Vorwahlen der Opposition 2023 galt sie als aussichtsreichste Herausforderin Maduros bei den kommenden Präsidentschaftswahlen.
Doch der Oberste Gerichtshof, der von regierungstreuen Richtern dominiert wird, verbannte Machado kurzerhand aus dem politischen Leben. Offizielle Begründung: „Verstöße gegen Ethik und Verfassung.“ Kritiker sprechen von einem klaren Versuch, eine demokratische Konkurrenz zu verhindern.
Internationale Reaktionen
Die jüngste Beleidigung löste international Empörung aus. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International verurteilten Maduros Rhetorik als „entwürdigend und gefährlich“. Auch die EU forderte, dass „die Regierung Venezuelas aufhört, oppositionelle Stimmen zu diffamieren und zu bedrohen“.
Selbst in Lateinamerika wächst die Kritik. In Kolumbien und Chile äußerten sich Abgeordnete besorgt über die „zunehmend religiös aufgeladene Hetze“ des venezolanischen Präsidenten.
Der Machtapparat Maduro
Maduros Aussagen sind Teil einer größeren Propagandakampagne, mit der er die Bevölkerung auf Linie halten will. Staatliche Medien wiederholen regelmäßig, Machado sei eine „Agentin der USA“ oder wolle „das Land dem Imperialismus verkaufen“. Gleichzeitig verschärft das Regime die Kontrolle über Medien und Justiz, während wirtschaftliche Probleme, Korruption und Energieengpässe weiter zunehmen.
Fazit
Maduro präsentiert sich als Verteidiger des Friedens – doch seine Worte und Taten sprechen eine andere Sprache. Mit der Dämonisierung von María Corina Machado will er die politische Bedrohung durch die Opposition bannen. Doch je mehr er sie angreift, desto stärker wird ihr Symbolwert – als Frau, die sich trotz Einschüchterung, Spott und Verbannung dem Machtapparat entgegenstellt.
Der Machtkampf in Venezuela wird somit nicht nur an den Wahlurnen, sondern auch in der Sprache entschieden – einer Sprache, die Maduro längst zur Waffe gemacht hat.
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