In Dänemark hat es bei den Kommunalwahlen ordentlich gekracht – und zwar besonders in Kopenhagen. Die regierenden Sozialdemokraten haben dort ihre Macht verloren, und das zum ersten Mal seit über einem Jahrhundert. Nach 100 Jahren politischem Dauerparkrecht hat die Hauptstadt offenbar entschieden, dass es Zeit für frischen Wind ist.
Die neue Oberbürgermeisterin heißt Sisse Marie Welling von der linksgrünen Sozialistischen Volkspartei (SF). Sie übernimmt das Amt, während die Sozialdemokraten mit 12,7 Prozent in den politischen Keller rauschen. Die SF kam auf 17,9 Prozent – nur übertroffen von der rot-grünen Einheitsliste mit 22,1 Prozent, die in Kopenhagen mittlerweile fast wie ein gut gelaunter Standardwert scheint.
Immerhin: Im Stadtrat bekommt Welling Unterstützung von sechs Parteien. Man könnte sagen, Kopenhagen hat jetzt ein politisches WG-Modell – aber eines, das freiwillig zusammenlebt.
Landesweiter Absturz vor der Parlamentswahl
Auch landesweit lief es für die Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nicht gerade wie ein skandinavisches Hygge-Märchen. Die Partei fiel von 28,4 Prozent (2021) auf 23,2 Prozent zurück. Ein Rückgang, der selbst hartgesottene Wahlstrategen nervös an ihren fair gehandelten Bio-Kaffee nippen lässt.
Frederiksen: „Ich bin verantwortlich“ – immerhin eine ehrliche Analyse
Auf einer nächtlichen Pressekonferenz erklärte Frederiksen laut Sender DR, man habe zwar mit Verlusten gerechnet – aber nicht mit einem politischen Erdrutsch, der die eigene Bastion Kopenhagen gleich komplett wegspült. „Letztlich bin ich als Parteichefin dafür verantwortlich“, sagte sie. Ein Satz, den man in der Politik so selten hört wie eine U-Bahn, die nie verspätet ist.
Bei der Kommunalwahl 2021 hatten die Sozialdemokraten noch die Mehrheit der Bürgermeisterposten im Land inne. Dieses Mal mussten sie das Feld der konservativ-liberalen Partei Venstre überlassen. Und das weniger als ein Jahr vor der nächsten Parlamentswahl – perfekt getimt, wenn man das eigene Nervenkostüm testen möchte.
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