Noch immer hängt die Zukunft des insolventen Flugtaxi-Entwicklers Lilium am seidenen Faden. Anfang August kündigte die niederländische Ambitious Air Mobility Group (AAMG) überraschend an, den einstigen Hoffnungsträger der Luftfahrtbranche übernehmen zu wollen. Doch auch Wochen später ist kein endgültiger Deal in Sicht – im Gegenteil: Der mögliche Investor sieht inzwischen „erhebliche Risiken“.
Investor auf der Bremse
AAMG hatte angekündigt, die Reste von Lilium für 20 Millionen Euro zu kaufen und weitere 250 Millionen Euro für einen Neustart bereitzustellen. Doch dem Insolvenzverwalter der Kanzlei Pluta lagen bislang keine ausreichenden Finanzierungsnachweise vor. Ein Treuhandvertrag verschafft AAMG inzwischen Einblick in Patente, technische Daten und Vermögenswerte. Das Ergebnis: Zahlreiche Gläubigerforderungen und juristische Fallstricke machen den Einstieg riskant.
Vom Milliardenprojekt zur Insolvenz
Lilium galt einst als Vorzeige-Start-up: Ein elektrisches Kleinflugzeug, das senkrecht starten und landen kann, sollte den Flugverkehr revolutionieren. Internationale Investoren stellten Milliarden bereit, der Prototyp des „LiliumJet“ wurde auf Messen wie der ILA in Berlin gefeiert. Doch die Entwicklung verschlang enorme Summen, eine Zulassung rückte nicht in greifbare Nähe. 2024 folgte die erste Insolvenz – und nach einer gescheiterten Rettungsaktion am Jahresende die zweite im Februar 2025.
Chancen für Elektroflug – auch ohne Lilium?
Unabhängig vom Schicksal des Unternehmens sind Experten überzeugt, dass elektrisches Fliegen enormes Potenzial birgt. Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigen: Mit Wasserstoff- und Elektroantrieben könnten die CO₂-Emissionen im Luftverkehr bis 2070 um bis zu 89 Prozent sinken. Vor allem auf Kurzstrecken könnten Hybrid- und Elektroflugzeuge eine klimafreundliche Alternative zum Auto oder zu klassischen Regionalflügen werden.
Bleibt Lilium ein Mahnmal?
Ob AAMG tatsächlich einsteigt, ist ungewiss. Der Fall zeigt aber auch, wie schwierig es ist, neue Technologien in der kapitalintensiven Luftfahrtbranche zur Marktreife zu bringen. Während Wettbewerber wie Volocopter oder das Münchner Start-up Vaeridion weiter an ihren Konzepten arbeiten, droht Lilium zum Symbol gescheiterter Visionen zu werden – es sei denn, ein Investor wagt trotz aller Risiken den großen Neustart.
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