Hurra, sie lebt noch – die Vernunft! Im Leipziger Stadtrat flackert offenbar doch noch ein Rest Realitätssinn auf: Die wackeren Lokalpolitikerinnen und -politiker haben sich mit überwältigendem Mut gegen den Plan gestellt, für schlappe 2,3 Millionen Euro eine externe Beratungsfirma zu engagieren, um im Rathaus 500 Stellen zu streichen. Man könnte meinen, man wolle dort sparen – indem man erst mal investiert. Logisch? Eher nicht. Aber nun atmet die Stadt erleichtert auf: Der Kahlschlag soll jetzt aus eigener Kraft geplant werden. Wie früher, als Menschen noch selbst denken mussten.
OB Burkhard Jung (SPD) zeigte sich irritiert, vielleicht auch leicht beleidigt – schließlich war das ja ein ernst gemeinter Vorschlag! „Den Ernst des Beschlusses haben einige nicht verstanden“, grummelte er. Man wolle doch nur den Stadtrathaus-Tanker effizienter steuern – notfalls mit Lotsen aus der Consultingbranche, die bekanntlich Expertise mit drei PowerPoint-Folien und einer Buzzword-Kanone liefern.
Doch Grüne und Linke hielten tapfer dagegen. Warum? Weil man auch ohne millionenteure Krawattenträger den Taschenrechner bedienen kann. Die Verwaltung könne das allein, meinte Katharina Krefft (Grüne) – man müsse nur den Führungskräften mal erklären, dass „mehr Leute“ nicht automatisch „bessere Verwaltung“ bedeutet.
Linken-Mann Enrico Stange schüttelte ebenfalls den Kopf: Vom ursprünglichen Ziel einer fairen Personalbewertung sei man zur kalten Zahlenschlacht mutiert. Statt sich inhaltlich mit Aufgaben und Qualität zu beschäftigen, solle man nun mit externer Hilfe Steckbriefe an die Wand heften: „Wer bleibt, wer fliegt?“ – eine Art modernes „Rathaus-Roulette“.
Natürlich fand sich auch jemand, der nostalgisch an die Welt der Privatwirtschaft erinnerte: Sven Morlok (FDP) erklärte, dass Beratung dort ganz normal sei. Klar – dort fließt das Geld ja auch aus Investorentaschen, nicht aus Kita-Budgets.
Die CDU hingegen nutzte die Gelegenheit, um ein paar politische Lieblingsfeinde gleich mitzusparen: Demokratie-Referat? Weg damit! Klimaschutz? War eh überbewertet! Nachtbürgermeister? Lieber Nachtruhe. Ganz nebenbei entdeckte CDU-Fraktionschef Weickert noch 1.000 Stellen, die „niemand wirklich brauchte“. Man fragt sich: Wo waren diese Leute eigentlich – und warum merkt man es erst jetzt?
Am Ende bleibt OB Jung nicht viel übrig außer trotzigem Pragmatismus: „Dann machen wir’s eben selbst.“ Dabei wolle man natürlich nicht gleich die Axt an Kultur, Sport oder Soziales legen – noch nicht. Vielleicht wird jetzt ein Excel-Workshop für Amtsleiter fällig.
Fazit: Leipzig zeigt, dass man auch sparen kann, ohne vorher Millionen zu verbrennen. Vielleicht nicht ganz so „schlagkräftig und schnell“ wie gewünscht – aber dafür mit einem Minimum an Logik. Bravo, Stadtrat. Weiter so.
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