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Lebensretter auf vier Pfoten: Warum immer mehr Hundehalter Erste Hilfe lernen

Pexels (CC0), Pixabay
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Wenn ein Hund plötzlich röchelnd zusammenbricht, giftige Köder frisst oder sich schwer an einer Glasscherbe verletzt, geraten viele Halterinnen und Halter in Panik. Doch genau in diesen Momenten zählt schnelles, richtiges Handeln. In Bad Oldesloe zeigt das Deutsche Rote Kreuz nun, wie lebensrettend dieses Wissen sein kann – und warum Erste Hilfe am Hund längst kein Nischenthema mehr ist.

Ein Klassenraum voller Hundehalter – und eine täuschend echte Puppe

In einem hellen Schulungsraum steht eine Liege – darauf eine lebensgroße Hundepuppe mit beweglichem Brustkorb. Sabine Bösger, erfahrene Rettungssanitäterin und ausgebildete Spezialistin für tiermedizinische Soforthilfe, macht es vor: Hände übereinander, Arme durchgestreckt, 120 Stöße pro Minute. Die Teilnehmerinnen folgen ihrem Blick gebannt.

„Zweimal beatmen, dann weiterdrücken. Wenn ihr innerhalb von zehn Minuten keinen Kreislauf zurückbekommt, ist es meist zu spät“, erklärt Bösger ungeschminkt. In ihrem Tonfall steckt sowohl Ernst als auch der Wille, Mut zu machen.

Die Reaktionen im Raum schwanken zwischen Staunen und Respekt. Eine Teilnehmerin sagt: „Ich habe nie gedacht, dass man bei einem Hund wirklich eine Herzmassage machen kann.“

Untersuchungen, die Leben retten: Den eigenen Hund richtig kennen

Für die nächste Übung hat Bösger ihren eigenen Vierbeiner mitgebracht – ein ruhiger, geduldiger Hund, der schon viele Kurse „mitgemacht“ hat. Sie fährt mit beiden Händen durch sein Fell, tastet systematisch ab:

  • Lymphknoten

  • Bauchraum

  • Gelenke

  • Zwischenräume der Pfoten

  • Hautveränderungen

„Wenn man das ein paarmal zu Hause übt, merkt man plötzlich Dinge, die vorher nicht aufgefallen wären“, erklärt sie. „Ein versteckter Zeckenbiss, ein harter Knoten oder ein heißer Bereich am Bein – das sind Warnsignale.“

Normalerweise entdecken Tierärzte viele Probleme erst spät, sagt sie. Der Grund: Halter trauen sich selten, ihren Hund regelmäßig gründlich abzutasten.

Hitzschlag, Giftköder, offene Wunden – die häufigsten Notfälle

Ein weiterer Schwerpunkt des Kurses sind alltägliche Gefahren, die oft unterschätzt werden:

  • überhitzte Hunde im Sommer

  • verschluckte Giftköder

  • Bissverletzungen im Hundepark

  • Pfotenverletzungen durch Glas oder Eis

  • Krampfanfälle

  • allergische Reaktionen

Bösger zeigt, wie man kühlt, beruhigt, provisorische Verbände anlegt oder einen Hund richtig transportiert, ohne weitere Schmerzen zu verursachen.

„Viele machen aus Angst erst mal alles falsch“, erklärt sie. „Ziehen am Hund, schütten Wasser über ihn oder versuchen, ihm etwas in den Mund zu geben.“

Ein Kurs, der mehr Sicherheit bringt – für Mensch UND Tier

Rund drei Stunden dauert die Ausbildung. Nach und nach verlieren die Teilnehmerinnen ihre Unsicherheit. Am Ende können sie:

  • den Puls an der Innenseite des Oberschenkels finden

  • Atmung prüfen

  • bewusstlose Tiere stabil lagern

  • Vergiftungssymptome erkennen

  • Verbände korrekt anlegen

  • und Wiederbelebungsmaßnahmen ausführen

Für viele ist es eine emotionale Erfahrung. Eine Teilnehmerin sagt zum Abschluss: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich das mal traue. Aber jetzt fühle ich mich wirklich vorbereitet.“

Warum solche Kurse immer wichtiger werden

Das DRK registriert seit Jahren steigendes Interesse. Gründe dafür:

  • immer mehr Hunde in den Haushalten

  • zunehmende Berichte über Giftköder

  • dichter Verkehr in Städten

  • mehr Freizeitaktivitäten mit Hund

  • Unsicherheit der Halter in Akutsituationen

„Jeder möchte seinem Hund helfen“, sagt Bösger. „Wir zeigen, wie es richtig geht – bevor es zu spät ist.“

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