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Learnd SE: Börsengang mit Risiken und offenen Fragen

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Die Learnd SE ist ein Anbieter von Energie- und Gebäudemanagementlösungen, der Anfang 2023 über einen sogenannten SPAC-Deal an die Börse gebracht wurde. Dabei fusionierte die ursprünglich als Investitionshülle gegründete GFJ ESG Acquisition I SE mit der britischen Learnd Ltd.

Der Weg an die Börse verlief jedoch anders als ursprünglich geplant. Zunächst sollte ein deutlich größeres Unternehmen übernommen werden, doch dieser Deal scheiterte. Unter Zeitdruck entschied man sich stattdessen für Learnd – mit einer deutlich niedrigeren Bewertung von rund 100 Millionen Euro.

Ein entscheidender Einschnitt war der massive Rückzug der Investoren vor Abschluss der Fusion: Nahezu das gesamte ursprünglich eingesammelte Kapital wurde wieder abgezogen. Dadurch fehlte dem Unternehmen zum Börsenstart praktisch die finanzielle Basis. Dennoch wurde die Transaktion vollzogen, sogar ohne die ursprünglich vorgesehene Mindestliquidität.

In der Folge war Learnd stark auf neue Geldgeber angewiesen. Gleichzeitig blieb die Kontrolle weitgehend bei den ursprünglichen Initiatoren und verbundenen Parteien. Besonders auffällig ist die Rolle der Beteiligungsgesellschaft AFT Tech Ventures, die gleichzeitig Investor, Kreditgeber und strategischer Akteur war. Dadurch entstand eine enge Verflechtung von Interessen.

Solche Mehrfachrollen bergen Konfliktpotenzial: Einzelne Akteure standen sowohl auf Käufer- als auch auf Verkäuferseite und konnten von der Struktur des Deals mehrfach profitieren. Zwar wurden sogenannte Fairness-Gutachten eingeholt, diese sind jedoch nicht öffentlich einsehbar.

Auch die Aktie selbst entwickelte sich ungewöhnlich. Der Handel war über weite Strecken extrem gering, teilweise fand an vielen Tagen gar kein Umsatz statt. Zeitweise kam es zu kurzen Phasen erhöhter Aktivität, die jedoch nicht nachhaltig waren und eher künstlich wirkten.

Operativ setzte Learnd nach dem Börsengang auf Zukäufe, um zu wachsen. Gleichzeitig wurde 2025 ein Großteil des operativen Geschäfts im Rahmen eines Management-Buy-outs wieder aus der börsennotierten Struktur herausgelöst.

Insgesamt zeigt sich ein gemischtes Bild: Während der Börsengang formal gelang, bestehen wirtschaftlich erhebliche Zweifel. Besonders für spätere Investoren war die Situation riskant, da sie in ein Unternehmen mit wenig Liquidität, geringer Börsenhandelbarkeit und komplexen Interessensstrukturen investierten.

Der Fall Learnd SE verdeutlicht, dass SPAC-Transaktionen zwar schnelle Börsengänge ermöglichen, gleichzeitig aber auch erhebliche Risiken und Intransparenzen mit sich bringen können.

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