Mit der Landtagswahl in Baden-Württemberg startet das deutsche „Superwahljahr“, in dem mehrere Bundesländer ihre Parlamente neu wählen. Besonders viel steht dabei für Grüne und CDU auf dem Spiel. Die Grünen stellten mit Winfried Kretschmann über 15 Jahre lang den einzigen grünen Ministerpräsidenten Deutschlands. Nun tritt mit Cem Özdemir, ehemaliger Parteichef und Bundesminister, ein prominenter Kandidat an, um die Macht im Südwesten zu verteidigen.
Lange Zeit sah es jedoch nach einem klaren Sieg der CDU aus. In Umfragen lag sie zeitweise deutlich vor den Grünen, teilweise mit bis zu 16 Prozentpunkten Vorsprung. In den letzten Wochen des Wahlkampfs hat sich das Bild allerdings verändert: Die Grünen konnten deutlich aufholen und liegen laut jüngsten Umfragen sogar gleichauf mit der Union.
Nervosität bei der CDU
Diese Entwicklung sorgt innerhalb der CDU für zunehmende Unruhe. Ihr Spitzenkandidat Manuel Hagel gilt vielen Beobachtern als eher blass, was bei einem großen Vorsprung in den Umfragen zunächst kein Problem war. Jetzt jedoch wird parteiintern Kritik laut, der Wahlkampf sei zu vorsichtig geführt worden.
Zudem geriet Hagel wegen eines älteren Videoausschnitts unter Druck. Darin schwärmte er vor Jahren in einem Interview von einer 18-jährigen Schülerin mit „rehbraunen Augen“, die er bei einem Schultermin getroffen habe. Das Video tauchte nun im Wahlkampf wieder auf und sorgte für Diskussionen.
Özdemir setzt auf politische Mitte
Cem Özdemir präsentiert sich im Wahlkampf ähnlich wie der scheidende Ministerpräsident Kretschmann: pragmatisch, wirtschaftsfreundlich und moderat. Damit versucht er gezielt Wählerinnen und Wähler aus der politischen Mitte anzusprechen. Gleichzeitig profitiert er von seiner hohen Bekanntheit und politischen Erfahrung.
Für Aufmerksamkeit sorgte auch sein Privatleben: Mitten im Wahlkampf heiratete Özdemir am Valentinstag seine Partnerin Flavia Zaka. Getraut wurde das Paar vom Tübinger Bürgermeister Boris Palmer, der lange als umstrittene Figur innerhalb der Grünen galt und 2023 aus der Partei austrat. Beobachter spekulieren bereits, ob Palmer künftig eine Rolle in einer möglichen Landesregierung spielen könnte.
Wahl mit vielen Unbekannten
Die Wahl bleibt dennoch schwer vorherzusagen. Erstmals dürfen in Baden-Württemberg auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Rund 650.000 junge Menschen wählen damit zum ersten Mal – etwa 8,4 Prozent aller Wahlberechtigten. Wie sich dieser neue Wähleranteil auf das Ergebnis auswirkt, ist offen. Zusätzlich gilt ein reformiertes Wahlrecht, das die Sitzverteilung im Landtag verändert.
AfD stabil, SPD und FDP unter Druck
In den Umfragen zeichnet sich ab, dass die AfD voraussichtlich drittstärkste Kraft werden dürfte. Die SPD hingegen droht erneut ein schwaches Ergebnis und könnte sogar unter die Zehn-Prozent-Marke fallen.
Besonders spannend wird es für die FDP: Die Liberalen könnten erstmals seit mehr als 70 Jahren aus dem baden-württembergischen Landtag ausscheiden. Für die Partei wäre das ein schwerer Schlag.
Chance für die Linke
Gleichzeitig hat Die Linke Chancen, erstmals in den Landtag einzuziehen. Rückenwind bekommt sie durch wachsende soziale Unzufriedenheit, steigende Lebenshaltungskosten, Wohnungsnot in vielen Städten und eine allgemeine Proteststimmung.
Am Ende entscheidet jedoch erst der Wahltag, ob die Grünen ihre Hochburg verteidigen können oder ob die CDU nach vielen Jahren wieder die Regierung im Südwesten übernimmt.
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