Los Angeles, Stadt der Engel und jetzt wieder der nächtlichen Freiheit: Bürgermeisterin Karen Bass verkündete am Dienstagabend, dass die nächtliche Ausgangssperre in der Innenstadt aufgehoben wird – nach einer Woche, in der sich Teile der Stadt anfühlten wie der Prolog zu Escape from LA, bloß ohne Snake Plissken, dafür mit Trillerpfeifen, Pappschildern und verärgerten Baristas.
„Die Lage hat sich beruhigt“, erklärte Bass staatsmännisch und in bequemen Turnschuhen, während hinter ihr wahrscheinlich noch das letzte Graffiti über den letzten Starbucks-Schriftzug gemalt wurde. Man habe die Innenstadt „erfolgreich stabilisiert“, also offenbar keine neuen Fenster zertrümmert, keine Straßenlaternen als Mahnmale umfunktioniert und nur moderate Mengen Tränengas verbraucht.
Doch: „Wenn’s sein muss, machen wir die Stadt wieder dicht,“ mahnte Bass mit der Autorität einer Mutter, die gerade das WLAN-Passwort wieder freigegeben hat.
Was war passiert?
In den letzten Wochen zogen Menschen in über 2.100 Städten auf die Straße, um gegen die Migrationspolitik von Präsident Donald Trump zu protestieren – laut, bunt und stellenweise etwas ruppig. Der Präsident, der offenbar glaubt, Marineinfanterie sei die beste Antwort auf jedes Gesellschaftsproblem, schickte 4.700 uniformierte Argumente nach Kalifornien – trotz heftiger Gegenwehr von Gouverneur Gavin „Ich-hab’s-euch-gesagt“ Newsom.
In LA versammelten sich laut Bürgermeisteramt über 30.000 Menschen. Sie protestierten größtenteils friedlich – also mit Ausnahme von ein paar Müllcontainern, die offenbar falsch geparkt waren und versehentlich als Symbol des Kapitalismus herhalten mussten.
Und das große Ganze?
Laut Veranstaltern demonstrierten am vergangenen Wochenende über fünf Millionen Menschen. Eine Zahl, die den Präsidenten vermutlich so sehr ärgert, dass er sich am liebsten selbst zum Innenminister ernennen würde. Die Demonstrierenden warfen ihm autoritär-populistische Allüren, verfassungsferne Abschiebeaktionen und eine gewisse Neigung zu Reality-TV-Regieren vor. Trump wies das natürlich als „Fake Empörung“ zurück – und postete stattdessen ein Selfie mit einem Bibelvers und einem Panzer im Hintergrund.
Fazit:
Die Ausgangssperre ist aufgehoben, die Stadt atmet auf – zumindest bis zur nächsten Welle „freiheitssichernder Maßnahmen“. Die Bürger*innen von LA dürfen nun wieder nachts raus, Pizza holen, flanieren oder protestieren. Aber wehe, jemand tanzt wieder zu laut in Downtown – dann kommt die Nationalgarde zurück. Und diesmal vielleicht mit Drohnen.
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