Weniger als eine Woche vor dem erwarteten Bericht des US-Justizministeriums über die Verbindungen von Jeffrey Epstein zu einflussreichen Persönlichkeiten steht Präsident Donald Trump erneut unter öffentlichem Druck. Der Grund: Eine wachsende Mehrheit der US-Bevölkerung glaubt, dass Trump über Epsteins mutmaßliche Verbrechen informiert war – oder sogar selbst verstrickt sein könnte.
Neue Fotos, alte Fragen
Am Freitag veröffentlichten Demokraten im Repräsentantenhaus erneut Fotos aus Epsteins Nachlass. Darauf zu sehen: Trump, Bill Clinton, Steve Bannon und andere Prominente. Obwohl keine dieser Personen strafrechtlich beschuldigt wurde, sorgen die Bilder – besonders im aktuellen politischen Klima – für Aufsehen.
Doch das Überraschendere kam nicht aus den Archiven, sondern aus den Umfragen.
Umfrage: Nur 18 % glauben, Trump wusste nichts
Laut einer neuen Reuters-Ipsos-Umfrage glauben nur 18 % der Amerikaner, dass es wahrscheinlich ist, Trump habe nichts von Epsteins Verbrechen gewusst. Ganze 60 % halten das für unwahrscheinlich oder sehr unwahrscheinlich. Selbst unter Republikanern glauben mehr (39 %) an Trumps Wissen als an seine Unwissenheit (34 %).
Ein weiteres besorgniserregendes Signal für Trump: Eine frühere Umfrage von Yahoo News/YouGov zeigte, dass fast die Hälfte der Amerikaner (48 %) glaubt, Trump habe womöglich selbst an Verbrechen mit Epstein teilgenommen. Nur 24 % hielten das für ausgeschlossen – selbst in den eigenen Reihen zweifeln viele.
Kein Beweis, aber viele Hinweise
Juristisch gesehen gibt es bislang keinen Beweis, dass Trump in Epsteins kriminelle Aktivitäten verwickelt war. Doch eine Reihe von Umständen nährt den Verdacht: Trumps wechselhafte Aussagen zu seiner Beziehung mit Epstein, seine verspätete Offenlegung über Ghislaine Maxwells Rekrutierung einer Minderjährigen aus Mar-a-Lago, und nicht zuletzt seine berühmte Aussage von 2002, in der er Epstein für seine Vorliebe für „jüngere Frauen“ lobte.
Ein geleakter Epstein-Kommentar aus dem Jahr 2019 macht die Runde: „Natürlich wusste er von den Mädchen …“ schrieb Epstein in einer E-Mail über Trump. In einem anderen Schreiben bezeichnete Epstein Trump als „den Hund, der nicht bellt“ – eine Metapher für jemanden, der auffällig schweigt, obwohl er eigentlich etwas wissen müsste.
Politische Gefahr für Trump
Auch wenn juristisch bislang keine Schuld Trumps belegt ist, entsteht ein gefährliches Bild: Ein Präsident, der bei einem der größten Missbrauchsskandale des 21. Jahrhunderts zumindest etwas verheimlicht. Die Umfragen zeigen: Viele Amerikaner glauben bereits an seine Mitwisserschaft – oder halten sie für möglich. Und das macht die bevorstehende Veröffentlichung der DOJ-Dokumente zu einem potenziellen politischen Erdbeben.
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