Noch vor einem Jahr bezeichnete Elon Musk den Mond als „Ablenkung“. Sein Ziel war klar: Mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX sollte innerhalb von 20 Jahren eine sich selbst erhaltende Stadt auf dem Mars entstehen. Der rote Planet galt als großes, visionäres Projekt – möglich gemacht durch die gewaltigen Starship-Raketen des Unternehmens.
Im Februar 2026 klingt das plötzlich anders. Musk hat seine Prioritäten neu geordnet: Statt Mars steht nun der Mond ganz oben auf der Agenda. In einem Beitrag auf seiner Plattform X erklärte er, SpaceX wolle den Aufbau einer „selbst wachsenden Stadt“ auf dem Mond vorantreiben – ein Ziel, das womöglich in weniger als zehn Jahren erreichbar sei. Der Mars bleibe zwar langfristig wichtig, habe aber vorerst nicht oberste Priorität. Entscheidend sei es, „die Zukunft der Zivilisation zu sichern“ – und das gehe schneller über den Mond.
Politischer Rückenwind aus Washington
Der Kurswechsel fällt in eine Phase, in der US-Präsident Donald Trump die Rückkehr amerikanischer Astronauten auf die Mondoberfläche während seiner zweiten Amtszeit zu einem Prestigeprojekt erklärt hat. Ein entsprechender Erlass zur Sicherung der „amerikanischen Raumfahrtführerschaft“ unterstreicht diesen Anspruch.
Allerdings kämpft das Artemis-Programm der NASA mit Verzögerungen und Kostenüberschreitungen. Die geplante Mondlandung „Artemis 3“ wurde mehrfach verschoben und ist nun frühestens für 2028 vorgesehen. SpaceX ist dabei als Auftragnehmer für das bemannte Landemodul gesetzt – ein lukrativer und strategisch wichtiger Auftrag.
Technische Hürden bleiben
Trotz ehrgeiziger Pläne ist der Weg anspruchsvoll. Das Starship-System muss unter anderem komplexe Betankungsmanöver im Orbit absolvieren und eine unbemannte Mondlandung erfolgreich durchführen. Bislang steht ein vollständig erfolgreicher orbitaler Testflug noch aus. Experten betonen, dass insbesondere die präzise Landung auf einem fremden Himmelskörper deutlich schwieriger ist als der Start selbst.
Gleichzeitig könnte sich die NASA perspektivisch von ihrem umstrittenen „Space Launch System“ lösen und stärker auf private Anbieter setzen. Unter der Leitung des Unternehmers Jared Isaacman, einem Musk-Vertrauten, dürfte die Zusammenarbeit mit kommerziellen Raumfahrtfirmen weiter wachsen.
Konkurrenz durch Blue Origin
Neben politischen und wirtschaftlichen Motiven spielt auch der Wettbewerb eine Rolle. Musks schärfster Rivale ist Jeff Bezos mit seinem Unternehmen Blue Origin. Blue Origin hat jüngst Fortschritte erzielt, unter anderem mit dem erfolgreichen Test der Schwerlastrakete „New Glenn“. Zudem verfügt das Unternehmen über einen milliardenschweren NASA-Vertrag für eine spätere Artemis-Mission.
Beobachter sehen in Blue Origin erstmals einen ernsthaften Herausforderer für SpaceX. Ein mögliches Szenario, in dem Bezos’ Firma vor SpaceX Menschen auf dem Mond landet, dürfte Musk zusätzlich antreiben.
Mond als Brücke zum Mars?
Auch wenn Musk offiziell an der Vision einer Mars-Stadt festhält, scheint der Mond nun als realistischer Zwischenschritt zu dienen. Er bietet die Chance, Technologien zu testen, Präsenz zu zeigen und politische wie wirtschaftliche Unterstützung zu sichern.
Der Strategiewechsel verdeutlicht, wie sehr Raumfahrt heute von geopolitischen Interessen, wirtschaftlichen Anreizen und privater Konkurrenz geprägt ist. Ob der Mond tatsächlich zur nächsten dauerhaften Außenposten der Menschheit wird – oder nur zur Zwischenstation auf dem Weg zum Mars –, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der neue Wettlauf ins All hat längst begonnen.
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