Der Tourismusminister Kubas, Juan Carlos García Granda, zeigt sich trotzig optimistisch: Trotz Wirtschaftskrise, Energieengpässen und US-Sanktionen sei der Tourismussektor „alive and kicking“ – lebendig und widerstandsfähig.
Vom Boom zur Flaute
2016, als Barack Obama auf Havannas Rollfeld landete, erlebte Kuba einen Touristenrekord. Knapp fünf Millionen Besucher kamen zwei Jahre später – mehr als je zuvor. Doch seitdem ist der Boom vorbei: Pandemie, US-Sanktionen und politische Unsicherheiten haben die Zahlen dramatisch einbrechen lassen.
Tourismus ist jedoch für Kuba überlebenswichtig – neben Überweisungen von im Ausland lebenden Kubanern gilt er als wichtigste Devisenquelle. Jeder ausbleibende Besucher bedeutet weniger Geld für Lebensmittelimporte, Medikamente oder Investitionen ins marode Stromnetz.
„Wirtschaftskrieg gegen den Tourismus“
Minister García Granda macht vor allem die USA verantwortlich. Unter Donald Trump seien 263 Maßnahmen gegen Kuba ergriffen worden, viele direkt auf den Tourismus gemünzt – darunter das Verbot für US-Kreuzfahrtschiffe, kubanische Häfen anzusteuern. „Ohne dieses Verbot hätten wir jährlich eine Million Besucher mehr gehabt“, schätzt er.
Die erneute Einstufung Kubas als „Staatssponsor des Terrorismus“ im Januar 2025 hat zusätzliche Folgen: Reisende aus Großbritannien und Europa, die nach Kuba fliegen, verlieren das Recht auf ein vereinfachtes ESTA-Visum für die USA. Ein Umweg über Madrid, Paris oder Kanada ist nun oft nötig – ein Aufwand, der viele abschreckt.
Hotelpaläste im Dunkeln
Kritik kommt aber nicht nur aus Washington. In Havanna ragt heute das Torre K-Hotel in den Himmel – das höchste Gebäude der Insel, finanziert mit ausländischem Kapital. Für viele Kubaner wirkt der Glaspalast jedoch wie ein Fremdkörper in einer Stadt, die von Stromausfällen und Mangel geprägt ist.
„Mit dem Geld hätte man lieber die Blackouts bekämpfen sollen“, meint Studentin Danais. Architekturstudentin Sabrina sieht zwar bauliche Qualitäten, spricht aber von „Opulenz zur falschen Zeit“.
García Granda verteidigt das Projekt: Mehr als 70 % der Investitionen in den Tourismussektor kämen von internationalen Firmen, nicht vom Staatshaushalt. Zudem habe es in der Obama-Ära tatsächlich einen Bedarf an zusätzlichen Hotelbetten gegeben.
Hoffnung auf bessere Zeiten
Angesichts leerer Hotels und steigender Frustration bleibt der Minister kämpferisch. Mit einer Statistik über wachsende Besucherzahlen aus dem Vereinigten Königreich in der Hand betont er:
„Wir werden die Hotels füllen. Wir werden diese Krise überwinden – und der Tourismus wird dabei eine Schlüsselrolle spielen.“
Ob das gelingt, hängt weniger von Havannas Hotelpalästen ab als vom geopolitischen Klima. Kuba setzt auf Durchhalteparolen – doch im Alltag der Bevölkerung bleibt die Frage: Wozu Luxushotels, wenn zu Hause das Licht ausgeht?
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