Nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten durch US-Spezialeinheiten ist die politische Zukunft des Landes ungewiss. Die Interimspräsidentin wurde am Wochenende von höchster Stelle in Washington scharf unter Druck gesetzt. Sollte sie nicht kooperieren, drohten „schwerwiegende Konsequenzen“.
Die US-Regierung kündigte an, Venezuela vorübergehend selbst verwalten zu wollen. Während sich erste Stimmen um Deeskalation bemühten, betonte man in Washington gleichzeitig, man werde die neue Führung „an ihren Taten messen“.
Die Übergangsregierung in Caracas zeigte sich indes kämpferisch, forderte die Freilassung des gestürzten Präsidenten und bezeichnete das Vorgehen der USA als völkerrechtswidrig. Die Streitkräfte des Landes erklärten ihre Unterstützung für die neue Übergangsführung, verurteilten den US-Einsatz jedoch scharf. Die Operation sei eine „Entführung“, bei der mehrere Sicherheitskräfte getötet worden seien.
In den USA rechtfertigte man den Militäreinsatz als Festnahme im Rahmen der Strafverfolgung. Für die Aktion sei keine Zustimmung des Kongresses erforderlich gewesen, da es sich „nicht um eine Invasion“ handle. Der gefangene Ex-Präsident soll in New York wegen Drogenhandels und Verschwörung vor Gericht gestellt werden.
In einem Interview betonte die US-Führung zudem das wirtschaftliche Interesse am ölreichen Land. Investitionen in die beschädigte Infrastruktur und eine Neuausrichtung des Ölsektors wurden angekündigt – trotz der Beteuerung, es gehe nicht um Ressourcen, sondern um Stabilität.
International sorgte der Einsatz für breite Kritik. Mehrere Regierungen in Lateinamerika sowie Staaten wie China und Russland verurteilten das Vorgehen der USA. Auch die UNO zeigte sich besorgt. Die EU rief zur Zurückhaltung auf und betonte, nur ein demokratischer Weg könne eine Lösung bringen.
Der UNO-Sicherheitsrat wird sich heute in einer Sondersitzung mit der Lage befassen.
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