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Kongress handelt bei Wohnkostenkrise – unabhängig von Trump-Regierung

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Während US-Präsident Donald Trump wiederholt angekündigt hat, die wachsende Wohnkostenkrise anzugehen, hat das Weiße Haus bislang nur wenige Details zu seinen Plänen veröffentlicht. Inzwischen nimmt der Kongress das Thema selbst in die Hand: Eine parteienübergreifende Gruppe von Abgeordneten und Senatoren hat Gesetzesvorschläge eingebracht, um Wohnraum zu erschwinglicheren Preisen zu schaffen.

Die Gesetzespakete sollen durch Reformen im Bau- und Planungsrecht sowie durch den Abbau bundesstaatlicher Hürden den Wohnungsbau beschleunigen. Noch in dieser Woche soll das Gesetz des Repräsentantenhauses zur Abstimmung kommen.

Wohnen wird zum sozialen Druckpunkt

Angesichts steigender Lebenshaltungskosten ist das Thema Wohnen zu einem zentralen sozialen Konflikt geworden. Hohe Immobilienpreise und anhaltend hohe Hypothekenzinsen haben den Traum vom Eigenheim für viele Amerikaner unerreichbar gemacht. Einer Umfrage der New York Times/Siena University zufolge halten über die Hälfte der registrierten Wähler Wohnen mittlerweile für nicht mehr bezahlbar.

Was schlägt der Kongress konkret vor?

Laut einer Schätzung von Goldman Sachs fehlen in den USA zwischen drei und vier Millionen Wohneinheiten, um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen – eine Folge jahrelangen Rückstands beim Neubau seit der Finanzkrise 2008.

Im Fokus der Gesetzgebung stehen daher:

1. Reform von Bauvorschriften und Genehmigungen

Ein zentrales Problem liegt laut Experten in restriktiven lokalen Bebauungsplänen und Bürokratie, die den Wohnungsbau verlangsamen. Zwar unterliegen diese Regelungen den Kommunen, doch der Bund will Anreize setzen, damit Städte und Gemeinden ihre Vorschriften überarbeiten.

  • Der Senatsentwurf („ROAD to Housing Act“) von Senator Tim Scott (Rep.) und Elizabeth Warren (Dem.) sieht etwa vor, dass Gemeinden mit wachsender Bautätigkeit mehr Fördermittel erhalten – während andere mit geringem Fortschritt weniger Zuschüsse vom Wohnungsministerium (HUD) erhalten würden.

  • Der Gesetzentwurf des Repräsentantenhauses („Housing for the 21st Century Act“) von Abgeordnetem French Hill (Rep.) verpflichtet Kommunen, ihre wohnraumbegrenzenden Maßnahmen wie Zonenregelungen transparent zu dokumentieren.

Zudem sollen Mittel bereitgestellt werden, um standardisierte Baupläne („pattern books“) für Wohngebäude zu entwickeln, die lokal schneller genehmigt werden können.

2. Stärkung von Fertighäusern (Manufactured Homes)

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Fertighäusern, die günstiger und schneller zu bauen sind. Eine veraltete Bundesvorschrift aus dem Jahr 1974 schreibt vor, dass solche Häuser auf einem fahrbaren Gestell mit Rädern gebaut sein müssen – eine Auflage, die Kosten erhöht und Genehmigungen erschwert.

Die geplanten Gesetzesänderungen würden diese Pflicht abschaffen und laut Schätzungen die Baukosten pro Haus um 5.000 bis 10.000 US-Dollar senken.

3. Sanierung alter Bausubstanz

Viele Wohnhäuser in den USA sind in die Jahre gekommen: Laut US-Volkszählung beträgt das Durchschnittsalter von Wohngebäuden 40 Jahre, fast die Hälfte wurde vor 1980 gebaut.

Die Gesetze sollen es Hausbesitzern und Vermietern erleichtern, Kredite für Sanierungen zu erhalten. Auch die Umnutzung leerstehender Bürogebäude in Wohnungen soll vereinfacht werden – ein Trend, der sich seit der Pandemie verstärkt hat.

 

Trumps Vorschläge – Nachfrage statt Angebot?

Präsident Trump hat zuletzt häufiger über Wohnkosten gesprochen und dabei mehrere Maßnahmen angekündigt:

  • Verbot für Großinvestoren, Einfamilienhäuser zu kaufen

  • Stützung des Hypothekenmarkts über Fannie Mae und Freddie Mac (Ankauf von Hypothekenpapieren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar)

  • Lockerung für 401(k)-Sparer, ihre Altersvorsorge für Hauskauf zu nutzen

Wirtschaftsexperten sehen diese Maßnahmen eher als nachfrageseitige Impulse, die das Angebot nicht erweitern.
„In einem Markt mit knappem Angebot führt mehr Nachfrage nur zu weiter steigenden Preisen,“ warnte Daryl Fairweather, Chefökonomin bei Redfin.

Zudem betonte Trump, er wolle das Vermögen bestehender Hausbesitzer schützen und keine Maßnahmen ergreifen, die Immobilienpreise stark senken würden:
„Wir halten den Wert ihrer Häuser hoch. Wir zerstören ihr Vermögen nicht,“ sagte er im Januar.

Andy Winkler vom überparteilichen Politikzentrum (Bipartisan Policy Center) hingegen erklärte, dass ein kontrollierter Ausbau des Angebots nicht zwangsläufig zu Preisverfall führe, sondern den Anstieg moderater gestalten könne:
„Das Ziel muss ein Gleichgewicht sein – nicht das eine Extrem oder das andere.“

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