Im schwelenden Grenzstreit zwischen Guyana und Venezuela ist es offenbar zu einer erneuten militärischen Eskalation gekommen. Nach Angaben der guyanischen Behörden sollen venezolanische Sicherheitskräfte am Sonntagnachmittag (Ortszeit) Schüsse auf ein Patrouillenboot abgegeben haben, das Wahlunterlagen für die umstrittene Region Essequibo transportierte.
Zwischenfall auf dem Cuyuni-Fluss
Der Vorfall ereignete sich laut Polizei und Militär in Höhe des Ortes Bamboo am Cuyuni-Fluss, der in dem umstrittenen Grenzgebiet liegt. Unmittelbar nach den Schüssen habe die Besatzung des guyanischen Schiffs das Feuer erwidert. Auf guyanischer Seite habe es keine Verletzten gegeben. Ob es auf venezolanischer Seite Schäden oder Verletzte gab, blieb zunächst unklar.
Heikler Zeitpunkt: Essequibo als Zankapfel
Der Zwischenfall kommt zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt. In Essequibo, einer rohstoffreichen Region, die sowohl von Guyana als auch von Venezuela beansprucht wird, soll demnächst gewählt werden. Dass ausgerechnet ein Boot mit Wahlunterlagen ins Visier geraten sei, wertet Guyana als gezielten Einschüchterungsversuch.
Hintergrund: Jahrzehntelanger Grenzkonflikt
Der Streit um Essequibo schwelt seit mehr als 100 Jahren. Während die Region völkerrechtlich zu Guyana gehört, erhebt Venezuela Anspruch auf das Gebiet, das reich an Erdöl- und Bodenschätzen ist. Spätestens seit Guyana in den vergangenen Jahren große Offshore-Ölvorkommen erschlossen hat, hat sich der Konflikt wieder zugespitzt.
Internationale Reaktionen erwartet
Beide Länder haben in den vergangenen Monaten ihre militärische Präsenz in Grenznähe verstärkt. Beobachter befürchten, dass Vorfälle wie der Beschuss auf dem Cuyuni-Fluss die Spannungen weiter anheizen könnten. Guyana kündigte an, den Vorfall auch auf diplomatischer Ebene zur Sprache zu bringen.
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