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Kommentar: Wenn der Satiriker zweimal klingelt

geralt (CC0), Pixabay
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Jetzt ist also offiziell Klage eingereicht – Christian Lindner und Franca Lehfeldt wollen Titanic das Wasser abgraben. Der Vorwurf? Eine Karikatur auf dem Cover sei keine Satire mehr, sondern – man höre und staune – nicht von der Kunstfreiheit gedeckt. Willkommen in der großen Kunstfrage unserer Zeit: Wo hört der Spaß auf, wenn er mit einem fallenden Diagramm in der Gebärmutter beginnt?

Das Cover zeigte ein satirisches Ultraschallbild samt Aufschrift: „Baby-Glück im Eimer – Es wird ein Low Performer!“. Ein kleiner Seitenhieb auf Leistungsgesellschaft, FDP-Rhetorik und § 218 – also ungefähr das, was Titanic seit Jahrzehnten macht. Doch diesmal hat der Pfeil mitten ins Herz der liberalen Familienplanung getroffen.

Natürlich, man kann verstehen, dass werdende Eltern nicht begeistert sind, wenn ihr Fötus zur makroökonomischen Metapher wird. Aber ausgerechnet Christian „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ Lindner gegen Satire? Der Mann, der einst das Bafög für „einen Anreiz zur Faulheit“ hielt und Steuersenkungen für alle als soziale Gerechtigkeit verkaufte?

Dass ausgerechnet er und seine Frau jetzt die Titanic verklagen, ist ungefähr so, als würde Elon Musk gegen Spaceballs klagen, weil Lord Helmchen seine Ehre verletzt hat.

Der eigentliche Skandal liegt aber woanders: Dass Lindner überhaupt Zeit für Klage und Empörung findet. Hat er nicht, laut Titanic, ein Kind und keine Ministerien mehr? Oder gehört der Justizlauf jetzt zum neuen Familienleben? Quality Time zwischen Windelwechsel und Unterlassungsantrag?

Die Titanic-Redaktion zeigte sich wie immer unbeeindruckt und fragte sich nur, wann Lindner eigentlich liest. Gute Frage. Wahrscheinlich dann, wenn er gerade keine Start-Up-Bros auf LinkedIn motiviert oder in der Küche neue Metaphern für Steuermoral brutzelt.

Vielleicht hätte man das Cover einfach anders betiteln sollen. Zum Beispiel: „Es wird ein FDP-Wähler – nicht überlebensfähig ohne Transferleistung.“

Aber wer weiß: Vielleicht wird das Kind ja später selbst Satiriker und bringt seine Eltern vor Gericht – wegen Humorlosigkeit.

Fazit: Wenn Politiker nicht über sich selbst lachen können, wird’s eng. Und wenn Satire nicht mehr weh tun darf, war’s keine.

weh tun darf, war’s keine.

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