Donald Trump hat den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro festnehmen lassen – ohne Zustimmung des US-Kongresses, ohne Rücksprache mit den Vereinten Nationen, ohne jede öffentliche Debatte. Mit einem Handstreich erklärte der US-Präsident, die Vereinigten Staaten würden „Venezuela führen, bis ein sicherer Übergang möglich ist“.
Die Reaktion vieler Amerikaner dürfte dieselbe gewesen sein: Bitte was?
Niemand hat darum gebeten – und niemand weiß, warum
Wer hat Trump den Auftrag gegeben, ein fremdes Land zu besetzen? Sicher nicht die Wähler. In einer Zeit, in der Millionen US-Bürger unter steigenden Lebenshaltungskosten, explodierenden Gesundheitsprämien und Arbeitsplatzverlust durch Künstliche Intelligenz leiden, wirkt dieser außenpolitische Kraftakt wie aus der Zeit gefallen – oder aus dem Drehbuch eines missglückten Politthrillers.
Ja, Nicolás Maduro ist ein Autokrat mit blutiger Bilanz. Aber weder seine Festnahme noch die militärische Invasion Venezuelas wurden je überzeugend begründet. Trump spricht von einem „Kampf gegen Drogen“, obwohl selbst die New York Times feststellt: Venezuela spielt im internationalen Fentanyl-Handel kaum eine Rolle, und der dort produzierte Kokainanteil geht hauptsächlich nach Europa – nicht in die USA.
Öl soll es richten? Das kennen wir doch schon
Trump verspricht, das Öl Venezuelas werde die Intervention bezahlen. Klingt vertraut? Schon 2003 erklärten US-Regierungsvertreter den Irakkrieg für wirtschaftlich sinnvoll, weil sich die Operation „praktisch selbst finanziere“. Wie das endete, wissen wir.
Ob Irak oder Venezuela – das Schema ist bekannt: Einmarschieren, versprechen, dass es kostenlos wird, und am Ende zahlen die Steuerzahler für ein jahrzehntelanges Chaos.
Keine Strategie, keine Debatte, keine Legitimität
Selbst wenn man die moralische Notwendigkeit einer solchen Aktion akzeptieren würde – wo bleibt die Strategie? Wie lange sollen US-Truppen in Venezuela bleiben? Wer soll das Land „führen“? Und wer hat überhaupt darum gebeten?
Trump hat es nicht nur versäumt, den Kongress zu informieren. Er hat die Amerikaner komplett übergangen. Weder gab es eine öffentliche Diskussion, noch wurde das Vorgehen im Vorfeld transparent gemacht. Diese Entscheidung betrifft nicht nur Venezuela – sie betrifft jeden von uns.
Ein Ablenkungsmanöver vom Scheitern im Inland?
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser militärische Alleingang vor allem eines ist: ein Ablenkungsmanöver. Von innenpolitischen Problemen, von wirtschaftlichem Versagen, von gescheiterten Wahlversprechen. Die „Goldene Ära“, die Trump seinen Anhängern in seiner Rede zur Amtseinführung versprach, sieht jedenfalls anders aus.
Statt eines Friedensstifters erleben wir einen Präsidenten, der mit militärischer Macht Tatsachen schafft – ohne parlamentarische Kontrolle, ohne Rückhalt in der Bevölkerung, ohne erkennbares Ziel.
Fazit: Dieser Einsatz in Venezuela wurde nicht mit der Öffentlichkeit diskutiert, er wurde ihr einfach vorgesetzt. Und solange keine klare Strategie, kein diplomatisches Konzept und kein demokratischer Konsens existieren, bleibt dieser Angriff nicht nur moralisch fragwürdig, sondern politisch gefährlich
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