In Frankfurt rauschen nicht nur die Druckerpressen – jetzt rauscht es auch im Intranet. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat für ihre Tätigkeit bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im Jahr 2025 stolze 130.457 Franken kassiert. Und plötzlich diskutiert man in der Europäischen Zentralbank nicht mehr über Inflation, sondern über „Taschengeld“.
Laut Financial Times rumort es in internen Foren. Einige Mitarbeitende fragen sich offenbar, ob sie beim Thema Zusatzvergütung womöglich den falschen Karrierepfad eingeschlagen haben. Während sie ihre Kaffeekarte aufladen, klingelt bei der Chefin noch eine kleine Schweizer Extra-Überweisung.
Die Schweiz zahlt – ganz korrekt, versteht sich
Lagarde betont selbstverständlich, alles sei sauber, ordentlich und im Einklang mit dem Verhaltenskodex. Und tatsächlich: Der Kodex erlaubt es ranghohen EZB-Mitgliedern, offizielle Mandate wahrzunehmen – inklusive Vergütung, solange diese „im üblichen Rahmen“ bleibt.
Was „üblich“ ist, liegt offenbar im Auge des Zentralbankrats. 142.857 Euro für ein Jahr BIZ-Board klingt jedenfalls für viele wie ein Rahmen mit Goldrand.
Andere Notenbanker sagen: Danke, nein danke
Während Lagarde die Schweizer Franken nicht verschmäht, zeigen sich andere Zentralbankchefs asketischer:
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Fed-Chef Jerome Powell nimmt gar nichts an – das US-Recht verbietet es.
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Bank-of-England-Gouverneur Andrew Bailey verzichtet ebenfalls.
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Die Banque de France zieht zumindest die Hälfte wieder ein – vermutlich, um zu zeigen, dass man auch mit halber Portion Zentralbankwürde auskommt.
Man könnte sagen: International herrscht kreative Vielfalt beim Umgang mit Nebenverdiensten.
Transparenz mit Fußnote
Die Zahlung taucht übrigens nicht im regulären EZB-Jahresabschluss auf. Warum? Weil sie nicht von der EZB stammt, sondern von der BIZ – also quasi „extern“. Rein buchhalterisch logisch. Öffentlichkeitswirksam allerdings… sagen wir: erklärungsbedürftig.
Die Information kam erst durch eine Anfrage aus dem EU-Parlament ans Licht. Dort scheint man sich gedacht zu haben: Wenn schon Zinsen transparent sein sollen, dann bitte auch Zusatzvergütungen.
Moral von der Geldgeschichte
Während Europas Bürgerinnen und Bürger über Preissteigerungen stöhnen, diskutiert man in Frankfurt nun über Franken. Offiziell ist alles korrekt. Inoffiziell fragt sich manch EZB-Mitarbeiter vielleicht, ob er statt Inflationsziel nicht lieber Nebenjob-Ziel hätte definieren sollen.
Immerhin zeigt die Debatte: Selbst in den heiligen Hallen der Geldpolitik sorgt ein kleiner Nebenverdienst für mehr Aufregung als jede Zinssitzung.
Und irgendwo in Basel bei der BIZ denkt man vermutlich: Wir wollten doch nur Danke sagen.
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