Der Textildiscounter Kik hat eine bahnbrechende Erkenntnis gewonnen: Mehr Filialen bedeuten offenbar doch nicht automatisch mehr Kunden. Nach Jahren ambitionierter Expansion korrigiert das Unternehmen nun seine eigene Wachstumslogik – und schließt vorsorglich gleich mehrere Hundert Geschäfte.
Bis Ende 2026 sollen europaweit rund 225 Filialen verschwinden, davon allein 135 in Deutschland. Gleichzeitig plant Kik 75 Neueröffnungen – man will den Rückbau schließlich nicht übertreiben. Insgesamt ergibt sich daraus eine Art strategisches „Zwei Schritte vor, einer zurück“-Konzept, das nun unter dem Schlagwort Profitabilität verkauft wird.
Geschäftsführer und Finanzvorstand Christian Kümmel formuliert es diplomatisch: Man „trimme das Portfolio auf Profitabilität“. Weniger diplomatisch könnte man sagen: Filialen, die zu nah beieinander lagen und sich gegenseitig kannibalisiert haben, werden jetzt wieder eingesammelt. Dass manche Standorte weniger als einen Kilometer auseinander lagen, fällt dem Unternehmen dabei erst jetzt auf.
Überraschend kommt diese Entwicklung nicht. Schon länger kämpft der Einzelhandel mit sinkender Kundenfrequenz, veränderten Konsumgewohnheiten und wachsendem Konkurrenzdruck – nicht nur durch klassische Wettbewerber wie Woolworth, NKD oder Action, sondern auch durch Online-Plattformen wie Shein und Temu, die zeigen, wie günstig „günstig“ wirklich sein kann.
Immerhin gibt Kik Entwarnung für die Belegschaft: Kündigungen soll es keine geben. Stattdessen will man Mitarbeitende „anderweitig einsetzen“ – ein klassischer Satz, der erfahrungsgemäß vieles bedeuten kann, aber selten weniger Veränderung.
Das Geschäftsmodell selbst stellt Kik dabei nicht infrage. Der Fokus bleibt auf günstiger Mode und Haushaltswaren für die bewährte Zielgruppe: Frauen zwischen 30 und 60 Jahren mit Familien. Auch die Botschaft bleibt konstant optimistisch: Die Kundschaft wachse, nur kaufe sie eben etwas weniger.
Oder anders gesagt: Die Menschen kommen noch – sie lassen nur öfter das Portemonnaie zu.
Fazit:
Kik macht das, was viele Unternehmen erst tun, wenn es nicht mehr anders geht: Es korrigiert die eigene Expansionsstrategie – und verkauft das als strategische Feinjustierung. Die eigentliche Überraschung ist dabei weniger die Schließung der Filialen als die Erkenntnis, dass man sie vielleicht nie alle hätte eröffnen müssen
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