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KI verschlingt Speicherchips – Smartphone-Preise erreichen Rekordniveau

geralt (CC0), Pixabay
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Ein weltweiter Mangel an Speicherchips, ausgelöst durch den Boom bei Künstlicher Intelligenz, trifft die Smartphone-Branche hart. Laut einem neuen Bericht sorgt die Entwicklung für eine „tsunamiartige Erschütterung“ der gesamten Industrie – mit deutlich steigenden Preisen und sinkenden Verkaufszahlen.

Wie aus einer Analyse des Marktforschungsunternehmens International Data Corporation (IDC) hervorgeht, wird sich der Engpass bei Speicherkomponenten weiter verschärfen. Das könnte kleinere Hersteller aus dem Markt drängen und Smartphones in diesem Jahr so teuer machen wie nie zuvor.

„Was wir beobachten, ist kein vorübergehender Engpass, sondern ein tsunamiartiger Schock, der in der Speicher-Lieferkette seinen Ursprung hat und sich auf die gesamte Unterhaltungselektronik auswirkt“, erklärte Francisco Jeronimo, Leiter der Mobilgeräteforschung bei IDC.

IDC schätzt, dass der durchschnittliche Verkaufspreis von Smartphones in diesem Jahr um 14 Prozent auf einen Rekordwert von 523 US-Dollar steigen wird. Gleichzeitig könnten Geräte unter 100 US-Dollar künftig nicht mehr wirtschaftlich produziert werden. Für 2026 prognostiziert IDC zudem einen Rückgang der weltweiten Smartphone-Verkäufe um 12,9 Prozent auf 1,12 Milliarden Einheiten – den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren.

KI-Boom treibt Chipnachfrage

Die aktuelle Halbleiterkrise unterscheidet sich von früheren Engpässen: Sie ist eine direkte Folge des rasanten Wachstums im Bereich Künstliche Intelligenz. Weltweit entstehen neue Rechenzentren, die enorme Mengen an Speicherchips benötigen. Die größten Speicherchip-Hersteller in Asien haben ihre Produktion daher zunehmend auf die Belieferung der KI-Branche ausgerichtet – zulasten von Konsumelektronik wie Smartphones, Laptops oder Spielekonsolen.

Laut IDC wird der Engpass die Branche dauerhaft verändern. Besonders betroffen seien kleinere Android-Hersteller, während Konzerne wie Apple und Samsung besser abgesichert seien und sogar Marktanteile hinzugewinnen könnten.

„Eine Rückkehr zum normalen Geschäftsbetrieb gibt es weder für Anbieter noch für Verbraucher“, sagte Nabila Popal, Senior Research Director bei IDC.

Speicher wird zum Engpassfaktor

Lange galten Speicherchips als vergleichsweise margenarmes, aber stabiles Geschäft – deutlich weniger lukrativ als Hochleistungsprozessoren. Der KI-Boom hat das grundlegend verändert.

Nvidia-Chef Jensen Huang betonte zuletzt, dass Speicherchips entscheidend für die Weiterentwicklung von KI seien. „Die Menge an Speicher, die für leistungsfähige KI benötigt wird, wächst erheblich“, sagte er Ende Januar in Taiwan.

Moderne KI-Anwendungen erfordern nicht nur hohe Rechenleistung, sondern auch große Speicherkapazitäten. Besonders gefragt ist dabei sogenannter DRAM-Speicher (Dynamic Random-Access Memory), der auch in Smartphones und Laptops eingesetzt wird. Gleichzeitig wird dieser Speicher zunehmend für fortschrittlichere Anwendungen wie HBM (High Bandwidth Memory) benötigt – eine Technologie mit besonders hoher Bandbreite, die vor allem in Rechenzentren zum Einsatz kommt.

Preise explodieren – Hersteller reagieren

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Counterpoint Research haben sich die Preise für DRAM- und HBM-Chips im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorquartal nahezu verdoppelt. Elektronikhersteller reagieren darauf, indem sie Geräte mit geringerer Speicherausstattung anbieten oder verstärkt auf Premium-Modelle setzen.

Die Aktienkurse der drei größten Speicherchip-Hersteller – SK Hynix, Samsung und Micron – erreichten in diesem Jahr Rekordstände. Ihre Produktionskapazitäten sind nahezu vollständig ausgelastet. Auch taiwanische Unternehmen wie Nanya Technology, Winbond Electronics und Powerchip Semiconductor Manufacturing Corporation kündigten an, ihre Produktion auszuweiten.

Branchenexperten gehen davon aus, dass der Speicherengpass mindestens bis ins kommende Jahr andauern wird. Tesla-Chef Elon Musk warnte im Januar, die begrenzte Verfügbarkeit von Speicherchips könne eines der größten Hindernisse für weiteres Wachstum darstellen. Er brachte sogar Investitionen in eigene Chipfertigungen ins Spiel, um die Versorgung zu sichern.

Der KI-Boom treibt damit nicht nur Innovationen voran – sondern verändert auch die Preisstruktur der gesamten Elektronikbranche nachhaltig.

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