Oscarpreisträger Kevin Spacey hat sich überraschend öffentlich zur Jeffrey-Epstein-Affäre geäußert – und fordert auf der Plattform X (ehemals Twitter) die vollständige Freigabe aller Ermittlungsakten. Dies, obwohl das FBI erst kürzlich mit dem US-Justizministerium offiziell mitteilte, dass es weder eine sogenannte „Kundenliste“ noch Hinweise auf Erpressung oder Mord im Fall Epstein gebe.
„Veröffentlicht die Epstein-Akten. Alle“, schrieb der 65-jährige Schauspieler am Montag. „Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten. Ich hasse es, das auf mich zu beziehen – aber die Medien haben es längst getan.“
Spacey, dessen Karriere seit 2017 durch eine Reihe von Missbrauchsvorwürfen ins Wanken geraten ist, reagierte damit offenbar auf Spekulationen über seine Verbindung zu Epstein, die mit der Veröffentlichung zuvor versiegelter Gerichtsakten wieder aufgeflammt waren. In diesen Dokumenten taucht sein Name neben jenen anderer Prominenter wie Donald Trump, Bill Clinton, Prinz Andrew, Michael Jackson oder Bruce Willis auf – ein konkreter Vorwurf gegen Spacey existiert allerdings nicht.
FBI: Keine Beweise für „Kundenliste“ oder Mord
Laut einem internen Memo vom 7. Juli sehen weder das FBI noch das Justizministerium Anlass, Ermittlungen gegen bislang unbeschuldigte Dritte einzuleiten. Epstein, so die Behörden, habe sich 2019 in seiner Gefängniszelle in Manhattan selbst getötet. Hinweise auf eine sogenannte „Client List“ prominenter Mitwisser oder auf systematische Erpressung existierten nicht.
Trotzdem hält sich das Narrativ über ein angeblich weit verzweigtes Netzwerk an prominenten Tätern hartnäckig – nicht zuletzt durch Aussagen wie die von Spacey. Beobachter vermuten, dass Spacey mit seinem Vorstoß auch eigene Image-Rehabilitation betreiben will: In den letzten Jahren war der Schauspieler mehrfach juristisch unter Beschuss geraten, wurde jedoch 2023 in London in neun Anklagepunkten freigesprochen. In einem separaten Zivilverfahren in Großbritannien läuft derzeit eine weitere Klage wegen sexuellen Missbrauchs.
„Ich war nie auf dieser Insel“
In seiner Verteidigung verwies Spacey bereits 2022 darauf, dass er Epstein lediglich einmal auf einer Afrika-Reise mit Bill Clinton und Chris Tucker getroffen habe. Zwar habe er dessen Flugzeug benutzt, aber nie dessen berüchtigte Privatinsel betreten: „Ich war nie auf dieser Insel“, so Spacey unter Eid.
Trotz offizieller Entwarnung durch die US-Behörden wird der Fall Epstein auch politisch weiter aufgeladen bleiben – zumal Spaceys öffentliche Forderung nach Transparenz nun erneut Öl ins Feuer der Verschwörungstheoretiker gießt.
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